»Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung«, so schreibt es der Apostel Paulus an die Christen im 1. Thessalonicher-Brief, Kapitel 4, Vers 3. Heiligung ist dabei der Prozess, Christus immer ähnlicher zu werden. Christen sollen also danach streben, der Sünde im Leben immer weniger Raum zu geben und stattdessen immer mehr die Frucht des Geistes wachsen zu lassen (siehe Galater 5,22f). So weit, so gut. Doch wie ist es um unsere Motivation dazu bestellt? Ist Heiligung etwas, nach dem du strebst? Oder hoffst du darauf, dass der Herr das schon irgendwie in dir vollbringen wird? Natürlich würde das kaum jemand offen so sagen und doch ist die Motivation der meisten Christen für Wachstum in der Heiligung eher gering. Dieser Artikel möchte einige biblische Motivationshilfen zur Heiligung liefern. Dazu sollen im Folgenden vor allem die Verse 1-4 aus Kapitel 3 des Kolosserbriefs betrachtet werden.

Dieser Artikel möchte einige biblische Motivationshilfen zur Heiligung liefern.

Um diese Verse richtig einordnen zu können, sollte bedacht werden, warum Paulus diesen Brief schrieb. Er tat dies vor allem deshalb, weil er davon gehört hatte, dass sich in der Gemeinde in Kolossä falsche Lehrer eingeschlichen hatten. Die falschen Lehrer behaupteten, dass die Kolosser zum Beispiel bestimmte Gesetze halten und Zeremonien durchlaufen müssten, um so bei Gott wirklich wohlwollende Annahme zu finden. Und so ruft Paulus in diesem Brief »STOPP!« und betont, dass dies Lügen seien. Kein Mensch wird jemals aufgrund seiner eigenen Werke vor Gott bestehen können. Im Gegenteil, Paulus erklärt den Kolossern (und uns allen), dass sie alle »einst fremd und feindlich gesinnt waren in bösen Werken« (Kolosser 1,21). Die Rettung hin zum ewigen Leben geschieht allein durch den Glauben an den stellvertretend für Sünder gestorbenen und wieder auferstandenen Retter und Herrn Jesus Christus. Am Kreuz hat Christus den Schuldbrief aller Gläubigen ein für alle Mal getilgt, so dass jeder, der durch den Glauben zu Christus gehört, bereits mit Ihm auferstanden und geistlich lebendig geworden ist (Kolosser 2,11-14). Dem muss und kann kein Mensch durch irgendwelche Werke etwas hinzufügen.

Die Rettung hin zum ewigen Leben geschieht allein durch den Glauben an den stellvertretend für Sünder gestorbenen und wieder auferstandenen Retter und Herrn Jesus Christus.

AUFRUF ZUR HEILIGUNG

Nachdem Paulus in den ersten beiden Kapiteln des Kolosserbriefs betont hat, dass Heiligung niemals die Grundlage unserer Annahme bei Gott ist, ändert er in Kapitel 3 den Fokus. Nun betont er, dass die Lehre von Gottes freier Gnade nicht bedeute, dass es keine Rolle spiele, wie Christen lebten. Er ruft die Christen dazu auf, ihrem Leben eine neue Richtung zu geben. So schreibt er in Vers 1 und 2: »Seid ihr nun mit Christus auferstanden, so sucht, was droben ist, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist

Doch was bedeutet das eigentlich, nach etwas zu »suchen« und zu »trachten«, wie es in der Lutherübersetzung heißt? Hier ist die Wortwahl moderner Übersetzungen sehr hilfreich. In der Neuen evangelistischen Übersetzung (NeÜ) heißt es zum Beispiel: »richtet euch auch ganz nach dem aus, was oben ist, wo Christus, der Messias, sitzt: auf dem Ehrenplatz neben Gott. Seid auf das Himmlische bedacht und nicht auf das Irdische.« Es geht hier also darum, sich ganz auf das auszurichten und auf das bedacht zu sein, »was oben ist«,»auf das Himmlische«. Der Fokus eines christlichen Lebens, alle Handlungen und Gedanken sollen auf Gott hin ausgerichtet sein!

Paulus belässt es nicht bei dieser sehr allgemeinen und eher abstrakten Aufforderung. Ab Vers 5 wird diese Aufforderung mit konkreten Inhalten gefüllt. Dabei nennt er zuerst die Dinge, von denen sich Christen abwenden sollen. Die Dinge, die »auf Erden« sind (Kolosser 3,2), nach denen Christen gerade nicht »trachten« sollen. Ab Vers 12 benennt er dann ganz praktisch, wie ein Leben, das nach dem sucht, was droben ist, auch hier unten auf Erden aussehen wird. Es geht dabei in keiner Weise um Weltflucht oder um ein weltfremdes Leben – auch wenn ein solches Verhalten für die Welt im positiven Sinne befremdlich sein mag.

Hier wird Paulus sehr konkret und praktisch. Diese Worte sollten jeden Christen dazu herausfordern, all sein Denken und Handeln sorgfältig zu reflektieren und sich wo nötig, mit Gottes Hilfe um Veränderung zu bemühen.

Jeder, der schon eine Weile als Christ lebt und sich um solche Veränderung bemüht, weiß darum, wie schwer das ist. Heiligung – so nennt die Bibel diesen Veränderungsprozess – ist etwas, das schnell zu Frust werden kann, wenn man erlebt, dass man immer wieder an den biblischen Ansprüchen scheitert. Und genau deshalb belässt es der von Gott inspirierte Apostel Paulus nicht allein bei seinem Aufruf. Er gibt uns zu Beginn von Kapitel 3 drei konkrete Motivationshilfen. Er ruft die Kolosser dazu auf (1) die Vergangenheit, (2) die gegenwärtige Realität und (3) die Zukunft zu bedenken. Das wird Christen dabei helfen, immer wieder neue Motivation und Kraft für ein Leben in der Heiligung zu finden.

MOTIVATION ZUR HEILIGUNG: Bedenke die Vergangenheit

In Vers 1 erinnert Paulus die Christen in Kolossä an das, was Gott bereits für uns getan hat: »Seid ihr nun mit Christus auferstanden, so sucht, was droben ist«. Die erste Motivationshilfe dafür, ein Christus-hingegebenes Leben zu führen, ist die Erinnerung daran, dass wir ohne Christus dieses wahre Leben gar nicht hätten. Genau das hatte Paulus den Kolossern bereits in Kapitel 2,12-14 erklärt. Ohne diese »Auferstehung« durch den Glauben würden wir nicht wirklich leben, sondern einfach nur existieren – und das auch nur für eine begrenzte Zeit, bevor uns dann der ewige Tod ereilt. Letztendlich beschreibt Paulus hier den Zustand aller Menschen vor dieser »Wiedergeburt mit Christus« als ein Totsein in den Sünden. Dieser „gegenwärtige Tod auf Erden“ mündet eines Tages im »ewigen Tod.« Es sei denn, dass Menschen hier auf Erden eine Auferstehung mit Christus – eine geistliche Geburt erleben. Nur dann leben wir wirklich! Paulus erinnert die Kolosser an das mächtige Werk der Gnade Gottes. Er verknüpft seinen Aufruf zu einem Leben für Gott mit der Erinnerung daran, dass Christen nur deshalb wahres Leben haben, weil der ewige Sohn Gottes, Jesus Christus, stellvertretend für sie gestorben und dann am 3. Tage von den Toten auferstanden ist.

Heiligung – so nennt die Bibel diesen Veränderungsprozess – ist etwas, das schnell zu Frust werden kann, wenn man erlebt, dass man immer wieder an den biblischen Ansprüchen scheitert.

Der auf einem Roman von Victor Hugo basierende Film »Les Misérables« illustriert die Kraft dieser Motivationshilfe sehr eindrücklich. Jean Valejean saß aufgrund einer Bagatelle und mehreren Fluchtversuchen viele Jahre im Gefängnis. Nachdem er aus dem Gefängnis entlassen worden ist, findet er nirgends Unterstützung oder Aufnahme. Nur ein Bischof hat Mitleid und beherbergt ihn. Der mittellose und verbitterte Valjean steht des Nachts auf und stiehlt dem Bischof einen Teil seines Silbers, wird aber sofort gefangen und zur Beweisaufnahme zum Haus des Bischofs zurückgebracht. Zur großen Überraschung Valjeans erklärt der Bischof den nicht minder verdutzten Polizisten, er habe Valjean das Silber geschenkt und gibt ihm noch zwei »vergessene« silberne Kerzenleuchter dazu. Zum Abschied ermahnt er Valjean, sein Leben zu ändern. Die Gnade, die Valjean erlebt, verändert ihn grundlegend. Er vergisst niemals, was der Bischof an diesem Tag für ihn getan hat und strebt hinfort danach, Gutes zu tun.

Valjean wurde vor dem Weg zurück ins Gefängnis bewahrt. Doch wir Christen haben eine noch viel größere Rettung erlebt. Diese sollte auch uns dazu motivieren, unser Leben voll und ganz für den zu leben, der sein Leben gab, damit wir wahres Leben haben können.

Erfahrene Liebe ist eine vor allem langfristig viel bessere Motivation als die Androhung von Strafe.

MOTIVATION ZUR HEILIGUNG: Bedenke die gegenwärtige Realität

Paulus ruft die Kolosser nicht nur dazu auf, sich an das zu erinnern, was der HERR für sie getan hat. Am Ende von Vers 1 betont er, dass auch die gegenwärtige Realität Motivation für ein auf Gott hin ausgerichtetes Leben sein sollte. »Seid ihr nun mit Christus auferstanden, so sucht, was droben ist, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes

Christus sitzt jetzt gerade zur Rechten Gottes! Mit unseren Augen können wir ihn zwar nicht sehen und doch ist er real und nicht nur eine ferne Erinnerung aus längst vergangenen Zeiten! Christen tun gut daran, mit den Augen des Herzens auf ihn zu sehen. Der Fürst dieser Welt hält uns ständig irgendwelche Verlockungen vor Augen. Er will uns ablenken von Christus. Er will uns einreden, dass Christus uns im Stich gelassen oder einfach die Dinge nicht im Griff hat. Aber Satan ist ein großer Lügner, der das große Ziel verfolgt, Menschen davon abzuhalten, auf Christus zu sehen!

Satan weiß, dass der Herr Jesus Christus auf dem Thron zur Rechten Gottes sitzt! Jesus ist der König aller Könige. Er ist der Hohepriester, der für uns Christen beim Vater eintritt. Und er ist unser Beschützer und Bewahrer hier auf Erden. Denn durch Seinen Heiligen Geist ist er bei uns alle Tage. So schenkt er uns Erkenntnis seines Wortes, und so spendet er uns Trost, Zuversicht, Freude und tiefen Frieden! Durch seinen Geist wirkt Christus in uns, verändert uns und motiviert uns, wenn wir seinem Geist Raum geben, indem wir auf Christus sehen und ihn durch sein Wort zu uns sprechen lassen.

Das Wissen darum, dass unser HERR uns sieht, dass ER bei uns ist und uns zur Seite steht, sollte uns motivieren für IHN zu leben.

  • Christus ist der »große Bruder« aller Christen, der ihnen über die Schulter schaut, und gerne bereit ist, ihnen dabei zu helfen, ihm immer ähnlicher zu werden!
  • Christus ist wie ein »wohlwollender Meister«, der seinem Lehrling nicht alle Arbeit abnimmt, aber ihm zur Seite steht und sich daran freut, wenn der Lehrling Schritt für Schritt Dinge dazu lernt und ihm immer mehr gelingt!
  • Christus ist unser gegenwärtiger Beistand und unsere Hilfe und ER wird uns voller Gnade immer wieder aufhelfen, wenn wir einmal gefallen sind!

Die zweite Motivation für ein Gott-hingegebenes Leben findet sich also in der Erkenntnis darüber, für wen wir leben! Wir haben das Privileg, für den zu leben, der als HERR ALLER HERRN und KÖNIG ALLER KÖNIGE auf dem Thron zur Rechten Gottes sitzt und uns einlädt, jederzeit vor seinen Gnadenthron zu treten, »damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu der Zeit, wenn wir Hilfe nötig haben« (Hebräer 4,16).

MOTIVATION ZUR HEILIGUNG: Bedenke die Zukunft

Nachdem Paulus gelehrt hat, dass sowohl das, was Christus in der Vergangenheit getan hat, als auch seine gegenwärtige erhabene Position zur Rechten Gottes sitzend für Christen ein Antrieb zu einem Leben für Christus sein sollte, nennt Paulus noch eine dritte Motivation, indem er auf das hinweist, was noch kommen wird. In den Versen 3-4 sieht der Apostel Paulus über das Hier und Jetzt hinaus in Richtung Zukunft: »Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott. Wenn aber Christus, euer Leben, sich offenbaren wird, dann werdet ihr auch offenbar werden mit ihm in Herrlichkeit.«

Paulus betont hier, dass unser Leben nicht ziellos ist. Christen leben auf ein großartiges Ziel zu. Paulus selbst hat dieses Ziel klar vor Augen. Davon schreibt er im Brief an die Philipper: »Nicht, daß ich’s schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich’s wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin. Meine Brüder, ich schätze mich selbst noch nicht so ein, dass ich’s ergriffen habe. Eins aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist, und jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus« (Philipper 3,12-14).

Christen sollten nicht einfach so vor sich hin leben. Das christliche Leben sollte ein zielorientiertes Leben sein, denn auf sie wartet ein lohnenswertes Ziel. Wenn wir an diesem Ziel ankommen, werden wir voll Freude erkennen, dass ein Leben in der Heiligung das Beste für uns war. Alles andere werden wir bedauern. Deshalb werden Christen, die das Ziel ihres Glaubens klar vor Augen haben, danach streben, in der Heiligung zu wachsen. Ein klares Ziel vor Augen gibt Motivation für den Weg.

Vor einiger Zeit hatte ich versprochen, für einen guten Zweck einen Halbmarathon zu laufen. Dieses Ziel hat mich dann dazu motiviert, mein normales Laufpensum zu erhöhen und auch mal joggen zu gehen, wenn das Wetter nicht so toll ist oder ich einfach keine große Lust hatte! Als mir dann noch Zielzeiten genannt wurden, für die ich noch mehr Spendengelder bekommen würde, war ich zusätzlich dazu motiviert, alles dafür zu tun, dieses Ziel zu erreichen.

Um wie viel mehr sollten wir motiviert sein, mit aller Kraft »dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus« entgegen zu jagen? Die dritte Motivation für ein Gott-hingegebenes Leben findet sich also in der sicheren Hoffnung auf eine großartige herrliche Zukunft! Auch auf diesem Weg zum Ziel wird es immer mal wieder Momente geben, in denen unsere Motivation nachlässt. Doch in seiner großen Liebe steht dann unser HERR »als unser Coach« am Wegesrand!

Durch sein Wort motiviert ER uns, diesen guten Lauf weiterzulaufen.

Wir haben zuerst gesehen, dass Christus uns an das erinnert, was ER bereits für uns getan hat! Zweitens hilft ER uns zu erkennen, dass ER alles im Griff hat und uns beisteht! Und drittens weist ER uns den Weg zu dem großen Ziel, so dass wir mit neuem Fokus weiter vorangehen können! Wir laufen den Lauf der Heiligung nicht allein. Gott ist bei uns. Er wirkt in uns das Wollen und das Vollbringen (Philipper 2,13). Doch wir müssen laufen – dem Ziel entgegen. Es lohnt sich, denn uns erwartet ein herrlicher Siegespreis!

Konkrete Anwendung
  1. Lies Kolosser 3,5-17 täglich eine Woche lang.
  2. Bitte Gott, dir zu zeigen, in welchen Bereichen deines Lebens du Veränderung brauchst.
  3. Lass dich von Gott auf dem Weg zur Veränderung immer wieder neu motivieren. Achte beim Lesen der Bibel darauf, was Gott für dich getan hat, wie er dir gegenwärtig beisteht und was er dir für die Zukunft verheißt.

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#15 Heiligung

#15 Heiligung

Matthias Lohmann (*1971) ist Pastor der FEG München-Mitte. Vorher studierte er am Reformed Theological Seminary in Washington, DC. Er ist Mitgründer des reformatorischen Netzwerks Evangelium21.

Dieser Artikel ist erstmals in der Printausgabe »#15 Heiligung« (02/2014) erschienen. Das Heft – mit vielen weiteren Artikeln zum Thema – ist nach wie vor in unserem Shop erhältlich.