Wie kann ein liebender Gott Menschen in die Hölle werfen? Wie kann Gott an endlichen Wesen ein ewiges Urteil vollziehen? Wie verherrlicht die Existenz der Hölle Gott? Das sind sehr ernste Fragen. Doch bevor wir das Wie über die Hölle beantworten können, müssen wir zunächst das Was beantworten.

Der Gedanke an die Hölle verwirrt viele Menschen, weil wir wichtige Fragen bezüglich der Hölle mit falschen Annahmen beantworten. Die Hölle wird dann oft zu einem notwendigen Übel, zu einem bösen Ort oder gar zu etwas, was scheinbar der Gerechtigkeit zu widersprechen scheint, da wir sie von einer menschzentrierten Perspektive betrachten und die Kriterien, um dort hineinzukommen, hauptsächlich an uns selbst suchen und so keine Rechtfertigung dafür sehen, ein derartiges Strafmaß zu verdienen.

Doch wenn wir das Wort Gottes und das, was es über die Hölle sagt, betrachten, sollte ein wichtiges Merkmal festgehalten werden. Die Hölle ist ein Ort der Gerechtigkeit (vgl. z.B. 2. Petrus 3,7; Offenbarung 20,11-15; Apostelgeschichte 17, 30-31). Sie kann deshalb nichts Ungerechtes, Böses oder notwendig Übles sein. Und die Fragen, die uns zu solchen Schlüssen führen, müssen deswegen anders beantwortet werden, weil sie sonst dem Wort Gottes widersprechen. Gott wusste, welchen Lauf dieses Schöpfungsdrama nehmen würde, bevor er die Welt geschaffen hatte. Warum hat er sie dann trotzdem geschaffen?

Ein Ort der Gerechtigkeit

Es ist sehr hilfreich, die Hölle mit einem irdischen Ort zu vergleichen, in dem wir Gerechtigkeit ausüben – wie z.B. einem Gefängnis. Jesus Christus macht einen ähnlichen Vergleich in seinem Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht (Mattjäus 18,21-35).

Niemand würde ein Gefängnis als einen schlechten bzw. bösen Ort bezeichnen. Das Gefängnis ist es nicht, sondern diejenigen, die dort hineinkommen. Viel mehr würde ein vernünftiger Menschen hingehen und sagen, dass ein Land, das keine Gefängnisse hat, ein schlechtes Land sei, weil es Verbrecher unbestraft lässt. Gefängnisse sind also etwas Gutes, weil sie zeigen, dass die Gerechtigkeit hochgehalten wird, indem Übeltäter bestraft werden.

Ebenso verhält es sich mit der Hölle. Die Hölle an sich ist kein böser Ort, sondern jene, die dort hineinkommen. Die Existenz der Hölle zeigt, dass Gott gut ist, weil er ein gerechter Gott ist und das Böse bestraft. Gottes Gerechtigkeit impliziert die Hölle, weil seine Gerechtigkeit unantastbar und unbestechlich ist. Doch ist das Strafmaß, das Gott Seelen in der Hölle auferlegt, gerecht? Ist es gerechtfertigt, an einem endlichen Wesen ein ewiges Urteil zu vollziehen?

Die Würde Gottes

Das Strafmaß an uns darf nicht beschränkt werden, nur weil wir endliche Wesen sind. Wenn ein Mensch beispielsweise einen Mord begeht, dann wird das Urteil nicht abhängig davon gemacht, wie lange er für seine Tat gebraucht hat oder wie vergänglich er ist, sondern abhängig von der Würde, die er geschädigt hat. Der Geschädigte ist in letzter Konsequenz Gott. Seine Würde bestimmt das Maß des Urteils. Und weil er unbegrenzt herrlich ist, kann es kein begrenztes Urteil geben. Das entspräche nicht der Gerechtigkeit. Die Hölle muss der ewige Tod sein, weil Gott das ewige Leben ist. Und da jeder von uns den Wert Gottes mit seinem Leben missachtet, ist jeder von uns es schuldig, den Wert Gottes in seiner ganzen Fülle zu erstatten (Römer 3, 23). Das Himmelreich leidet Gewalt, sagt Jesus Christus (Matthäus 11,12), da Gott seine Absichten und seine Herrlichkeit in seinem Wort und in der Schöpfung offenbart, die Menschen aber Gottes Absichten nicht erkennen möchten und die Schöpfung nach ihren eigenen Vorstellungen missbrauchen.

Gott hat erstaunlich wunderschöne menschliche Wesen geschaffen, die ihre gottgegebene Herrlichkeit und Würde in einem solchen Maße verdreht haben, dass sie noch schlimmer als Abfall wurden. So wie ein in sich selbst zusammengestürzter, herrlicher Tempel schockierender ist als bloßer Abfall, der auf dem Boden liegt. Es ist genau das Wegwerfen unserer göttlichen Würde als Menschen, die fähig waren den Schöpfer zu erkennen und zu lieben, was unsere Verdorbenheit begründet (entnommen aus Ask Pastor John Episode 753 – »Does the Cross Show How Valuable I Am?«). Der Schrecken der Hölle ist proportional zu Gottes Herrlichkeit und verdeutlicht das Gewicht seiner Herrlichkeit und den Preis, diese zu beschmutzen. Wenn aber nun Gottes Liebe ein zentraler Teil seiner Herrlichkeit ist, wie kann dann ein liebender Gott Menschen in die Hölle werfen?

Die Hölle offenbart den Reichtum von Gottes Gnade

Wenn Gott die Gerechtigkeit für jemanden übergehen würde, obwohl er sie verdient hat, wäre das keine Liebe, sondern ein Verbrechen an der Seele, weil die Schuld, die ihr anhaftet, nicht beglichen wurde, sondern sie weiter belastet. Gott wirft Menschen in die Hölle, weil er sie und ihre Entscheidungen respektiert – also gerade weil er sie liebt. Doch er kann sich selbst nicht verleugnen. Und er hat auch keinen Gefallen am Tod des Sünders. Deshalb ist er in Jesus Christus stellvertretend für ihn gestorben, indem er die Last, die dem Menschen anhaftet, selbst getragen hat und ihm so tatsächliche Erlösung gewährt, weil die Schuld beglichen ist. Die Tatsache, dass es für uns angesichts einer Hölle überhaupt den Eintritt in den Himmel gibt, sollte uns vor Erstaunen über Gottes Liebe nicht mehr loslassen und uns die Dimension für seine überreiche Gnade eröffnen. Diese Gnade wird uns in der Ewigkeit unbeschreiblich glücklich machen. Und dass Gottes Herrlichkeit die Quelle unserer größten Freude ist (so wie es ursprünglich sein sollte), das erfreut Gott. Denn eine absolut selbstlose Person freut sich am meisten daran, wenn die eigene Existenz den anderen zutiefst erfreut. Deswegen eifert Gott um seine Herrlichkeit – um uns ewige und herrliche Freude zu geben, von der aus unsere Anbetung ihm gegenüber entspringen wird, sodass wir uns in einem glorreichen und nie endenden Kreislauf gegenseitiger Freude befinden werden (Hebräer 12,2; 1. Petrus 1,8; Jesaja 62,5). Für einen begnadeten Sünder ist der Himmel deswegen eine unmessbare Demonstration der Gnade und Liebe Gottes, weil er weiß, welches Opfer sie angesichts der Hölle erbracht hat und was er verdient hat. Im Himmel werden wir den Rauch des Höllenfeuers von Ewigkeit zu Ewigkeit aufsteigen sehen und werden darüber jubeln, weil die Hölle ein Echo von Gottes Gerechtigkeit ist, sich jedoch für uns wandelt in ein Echo seiner Gnade (Offenbarung 19,17).


Andreas Kuhlmann (*1984) ist Mit-Gründer, Mit-Herausgeber und Autor von Timotheus.

Dieser Artikel ist erstmals in unserer aktuellen Printausgabe »#23 Himmel & Hölle« (02/2016) erschienen. Das Heft – mit vielen weiteren Artikeln zum Thema – ist nach wie vor in unserem Shop erhältlich.

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