Dieser Artikel ist der erste in der neuen Josia-Rubrik im Timotheus Magazin. »Josia« ist ein Netzwerk junger Christen, das es sich zum Ziel gesetzt hat, junge Christen in ganz Deutschland zu vernetzen und noch viele andere von der wunderbaren Botschaft unseres Herrn und Königs, Jesus Christus, zu begeistern. Wenn du mehr erfahren willst, wer wir sind und was wir wollen, wirst du hier fündig: josiablog.de

Vielleicht fragst du dich, warum wir uns den Namen »Josia« gegeben haben. Der Grund dafür ist eigentlich ziemlich einfach. Erstens war der alttestamentliche König Josia ein junger Mann und zweitens hatte er ein ganz großes Herz für Reformation, also für eine Neuausrichtung auf Gott und sein Wort in allen Lebensbereichen.

In den nächsten Ausgaben des Timotheusmagazins möchten wir unsere Rubrik dazu benutzen, uns mit dem König Josia ein wenig näher zu beschäftigen und zu erforschen, was dieser König, der 2600 Jahre vor unserer Zeit lebte, uns heute noch zu sagen hat. Bevor ihr jedoch direkt in unsere Gedanken zu Josia eintauchen könnt, wäre es sehr sinnvoll, wenn ihr die Geschichte von Josia erst einmal in der Bibel lest. Ihr findet sie im zweiten Buch Könige, Kapitel 22-23 sowie im 2. Buch Chronik, Kapitel 34-35. Die ganze Serie steht unter dem Thema: Was macht wahre Reformation aus?

Wahre Reformation…beginnt bei einem selbst!

Bevor wir uns jedoch dem König Josia zuwenden, sollten wir erst einmal die Frage klären, was Reformation eigentlich ist. Wenn ihr diesen Begriff hört, denkt ihr vielleicht an euren Geschichtsunterricht und an Martin Luther. Aber hat dieser Begriff überhaupt noch etwas mit unserer heutigen Zeit zu tun?

Dazu hilft uns der Blick auf einen anderen jungen Mann, der zwar selbst nicht König war, dafür aber der Namensgeber des Magazins ist, das ihr gerade in den Händen haltet: Timotheus. Im neuen Testament finden wir zwei Briefe, die sein Lehrer Paulus an ihn geschrieben hat. In einem dieser Briefe ermahnt Paulus den Timotheus: »Halte dich an das Muster (oder auch: die Form) der gesunden Worte!« (2.Timotheus 1,13). Mit diesem Vers fordert Paulus den Timotheus auf, an dem festzuhalten, was den Kern des christlichen Glaubens ausmacht – den Glauben an die Kraft und den Inhalt des irrtumslosen Wortes Gottes mit dem Evangelium von Jesus Christus im Zentrum.

Paulus weiß ganz genau, wie gefährdet diese Form der gesunden Worte in der Gemeinde ist. Deswegen musste er auch einige Briefe schreiben, um die Gemeinden wieder zurück zu dieser Form der gesunden Worte zu führen (z.B. die Korintherbriefe). Immer dann, wenn diese Form gefährdet ist, muss man zu dieser Form zurückkehren, dann ist Re-form-ation nötig.

Dass das Volk Gottes von den gesunden Worten wegläuft, ist ein zeitloses Problem. Es ist nicht nur ein Problem zur Zeit von Paulus gewesen, sondern auch ein Problem zur Zeit von Josia – und ein Problem heute. Und deswegen wollen wir uns mit Josia beschäftigen, weil er uns ein Beispiel dafür liefert, wie Reformation praktisch aussehen kann.

Wir wollen uns mit Josia beschäftigen, weil er uns ein Beispiel dafür liefert, wie Reformation praktisch aussehen kann.

Wer war Josia? Josia stammte aus dem Haus David – also dem Königshaus von Juda. Geboren wurde er 640 v. Chr. als Sohn des Amon, der selbst König von Juda war. Sein Urgroßvater war Hiskia, einer der gottesfürchtigsten Könige, die Juda je gehabt hatte. Aber sowohl Josias Vater Amon als auch sein Großvater Manasse hatten in den 57 Jahren ihrer Regierung Gott im öffentlichen Leben abgeschafft. Im Tempel gab es keinen Gottesdienst mehr, er verfiel langsam. An der Rückseite des Tempels waren stattdessen Bordelle errichtet worden und rund um Jerusalem gab es unglaublich viele Götzenopferstellen – bis hin zu Heiligtümern, in denen Kinder geopfert wurden. Anders als viele gottlose Könige vor ihm regierte Josias Großvater Manasse 55 Jahre – er konnte also den Götzendienst nicht nur einführen, sondern auch etablieren. In diese Familie und diese Gesellschaft wurde Josia geboren und wuchs dort auf.

Als er acht Jahre alt war, wurde sein Vater, König Amon, von seinen Dienern erschlagen, aber die Landbevölkerung wollte das nicht dulden und tötete wiederum die Verschwörer. Neben dem religiösen Chaos, schien also auch die Gesellschaft alles andere als stabil zu sein. Und in all diesem Wirrwarr finden wir plötzlich den achtjährigen Josia auf dem Thron sitzen.

Eigentlich ist die Lage aussichtslos. Was soll denn dabei rauskommen, wenn ein achtjähriger Knirps das Chaos regiert? Denn nicht nur die innenpolitische Lage war katastrophal. Das Königreich Juda bestand aus den beiden Stämmen Juda und Benjamin. Die anderen zehn Stämme des Volkes Gottes – Israel oder das Nordreich – waren bereits 80 Jahre vorher von den Assyrern gefangen und weggeführt worden. Nur durch ein Wunder war Jerusalem damals nicht gefallen, aber das kleine unbedeutende Juda war jetzt völlig umringt vom assyrischen Riesenreich – und eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, bis auch Juda untergehen würde.

Warum also ein achtjähriger Junge? Ich glaube, es ist Gottes Weg, um uns zu zeigen, was Gnade ist. Ständig sind die Helden der Bibel irgendwie keine richtigen Helden. Abraham und Sarah sollten Eltern eines Riesenvolkes werden, obwohl sie nicht mal ein einziges Kind hatten und längst viel zu alt waren, David war der kleine unbedeutende Bruder, der die Schafe hüten musste und nicht zum Abendessen kommen durfte, als seine ganze Familie mit dem großen Propheten Samuel aß. Maria war ein unbedeutendes Mädchen und Saulus war zwar reich und schlau, aber auf der komplett falschen Seite. Aber das sind die Leute, mit denen Gott Geschichte schreibt, damit Menschen keinen Grund haben, sich auf ihre eigenen Leistungen irgendetwas einzubilden.

Josia regierte acht Jahre lang als Junge, wahrscheinlich unterstützt von seinen Dienern und dem Hofstaat, der nach all den Jahren völlig gottlos gewesen sein dürfte. Wie wir gelesen haben, war auch kein Wissen über das Gesetz Gottes vorhanden. Und trotzdem fängt Josia mit 16 Jahren an, Gott zu suchen (2. Chronik 34,3a). Es ist so eine der Stellen in der Bibel, wo Gottes Gnade, seine Souveränität bei der Errettung von Menschen unglaublich hell strahlt. Der junge König fängt an, den Gott seines Vaters David zu suchen, ohne dass es irgendeinen äußeren Grund zu geben scheint. Noch interessanter ist, was er danach macht. Er fängt nicht an, auf alle anderen zu zeigen und zu sagen. »Hey, ich sage euch jetzt mal, was hier alles falsch läuft!« Stattdessen suchte er ganze vier Jahre lang Gott.

Bevor man woanders oder bei anderen anfängt, sich für Reformation, also Rückbesinnung auf Gott, einzusetzen, muss man bei sich selbst anfangen. Alles andere ist selbstgerecht. Wenn man verstanden hat, dass man selbst, auch als Christ, tief in der Sünde verstrickt ist und dass man ganz von Gottes Gnade abhängig ist, dann wird man erkennen, dass man bei sich selbst eine ganze Menge Reformationsbedarf hat. Wenn wir nicht in Gefahr stehen würden, das aus dem Blick zu verlieren, hätte Paulus ja Timotheus nicht warnen müssen. Aber er tut genau das: »Auch du, Timotheus, halte dich an die Form der gesunden Worte!«

Bevor man woanders oder bei anderen anfängt, sich für Reformation, also Rückbesinnung auf Gott, einzusetzen, muss man bei sich selbst anfangen.

Bei Josia führte seine Suche nach Gott dazu, dass er das Gesetz lieb gewann. Er wich nicht zur Rechten und auch nicht zur Linken davon ab. (2.Chr. 34,2) Der Schreiber des zweiten Königebuches fasst Josias Leben so zusammen: »Und seinesgleichen ist vor ihm kein König gewesen, der sich so von ganzem Herzen und von ganzer Seele und mit allen seinen Kräften dem Herrn zuwandte, ganz nach dem Gesetz Moses; auch nach ihm ist keiner seinesgleichen aufgestanden« (1. Könige 23,25).

Wahre Reformation muss bei uns selbst beginnen. Josia verbrachte vier Jahre damit, Gott zu suchen – und er hörte nicht auf, sein ganzes Leben immer wieder neu auf die Form der gesunden Worte auszurichten. Hat wahre Reformation auch schon bei dir begonnen? Fortsetzung folgt


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#13 Gnade

Jochen Klautke (*1988) arbeitet als Lehrer. Nebenbei ist er Theologiestudent an der ART Hannover, sowie Mitbegründer des reformatorischen Jugend-Netzwerks Josia.

Dieser Artikel ist erstmals in der Print-Ausgabe »#13 Gnade« (04/2013) erschienen. Das Heft – mit vielen weiteren Artikeln zum Thema – ist nach wie vor in unserem Shop erhältlich. Die Artikelreihe »Wahre Reformation« ist zudem als Buch im 3L Verlag erschienen.