»Glückselig die Friedensstifter, denn sie werden Söhne Gottes heißen!« —Matthäus 5,9

Sei ein Friedensstifter!

Friedensstifter schaffen aktiv Frieden, wo dieser fehlt. Mit Selbstlosigkeit und Sanftmut gelingt es ihnen, in angespannten Verhältnissen Frieden zu verbreiten.

Zwischenmenschliche Beziehungen sind oft von Spannungen und Streit geprägt. In einer Welt des Unfriedens ist dieser Tatbestand nicht verwunderlich. Eine Ausnahme sollen allerdings die Beziehungen zwischen den Gläubigen in der Gemeinde Gottes sein. Kinder Gottes sind zum Frieden berufen und sollen den Gott des Friedens in einer friedlosen Welt verherrlichen. Dabei soll der Friede Christi vor allem in ihren Herzen regieren. Sie sollen nicht nur den Frieden lieben und halten. Ihre Aufgabe besteht vielmehr darin, Friedensstifter zu sein: Sie sollen Verfeindete miteinander versöhnen und in angespannten Verhältnissen mit aktivem Einsatz Frieden schaffen.

Abraham als Friedensstifter

Abraham liefert als Friedensstifter ein anschauliches Beispiel. Die Hirten von Abraham und Lot stritten sich wegen Weideland. Abraham hat den Streit wahrgenommen und vorbildlich reagiert, indem er zu Lot sprach: „Lass doch nicht Zank sein zwischen mir und dir und zwischen meinen und deinen Hirten; denn wir sind Brüder. Steht dir nicht alles Land offen? Trenne dich doch von mir! Willst du zur Linken, so will ich zur Rechten, oder willst du zur Rechten, so will ich zur Linken“ (1. Mose 13,8-9). Mit seiner Reaktion hat Abraham den Konflikt nicht verschärft; er goss nicht Öl ins Feuer. Im Gegenteil, mit einem einfachen Friedensplan bemühte er sich, den Konflikt zu entschärfen und Frieden zu schaffen.

Abrahams Bemühungen offenbaren wichtige Charakterzüge, die einen wahren Friedensstifter auszeichnen. Erstens, Abraham zeigte Selbstbeherrschung: Er ließ sich von diesem Streit nicht mitreißen, er hatte sein Gemüt unter Kontrolle, in seinem Denken blieb er nüchtern, in seinen Worten ist keine Spur von Zorn oder Härte zu sehen, sondern eher Sanftmut und Güte; einfühlsam begann er den Konflikt zu lösen. Und zweitens, Abraham war uneigennützig, als er Lot bat, das Land zu wählen: Er war bereit, hinsichtlich des Weidelandes schlechter gestellt zu werden als Lot, denn die Gegend am Jordan, die Lot wählte, war wasserreich (vgl. 1. Mose 13,10).

Selbstbeherrschung und Uneigennützigkeit sind grundlegende Voraussetzungen, um so wie Abraham in Konfliktsituationen anderen mit Ehrerbietung zu begegnen und ihnen die größeren Vorrechte und Gaben zu gönnen. Der bewusste Verzicht auf eigene Vorteile und Privilegien ist notwendig, um Frieden schaffen zu können.

Friedensstifter sind gefragt

William MacDonald wirft im Hinblick auf die gegenwärtigen Verhältnisse im christlichen Lager folgende Fragen auf: »Warum gibt es so viele zerrüttete Familien und so viele Gemeinden, die durch Spaltung zerrissen sind? Warum gibt es solch bitteren Streit zwischen christlichen Mitarbeitern im Heimatdienst und den Missionaren im Ausland?« Auch der Apostel Jakobus stellt ähnliche Fragen und gibt im Anschluss eine aufschlussreiche Erklärung über den Ursprung den Unfriedens: »Woher kommt der Kampf unter euch, woher der Streit? Kommt’s nicht daher, dass in euren Gliedern die Gelüste gegeneinander streiten? Ihr seid begierig und erlangt’s nicht; ihr mordet und neidet und gewinnt nichts; ihr streitet und kämpft und habt nichts, weil ihr nicht bittet; ihr bittet und empfangt nichts, weil ihr in übler Absicht bittet, nämlich damit ihr’s für eure Gelüste vergeuden könnt (Jakobus 4,1-3). Der Ursprung allen Unfriedens liegt demnach in den Begierden. Wenn wahrer und tiefgründiger Frieden gestiftet werden soll, dann muss bei der Wurzel des Unfriedens angesetzt werden. Alles andere wird ein Kratzen an der Oberfläche sein und bestenfalls zum Waffenstillstand führen.

Wir brauchen heute in unseren Familien und Gemeinden Friedensstifter! Lasst uns Friedensstifter sein, indem wir versuchen, in der Familie, in der Gemeinde und in der Gesellschaft Frieden zu verbreiten. Dabei ist es wichtig, selbstlos, demütig, zugänglich und nicht bestrebt zu sein, vor anderen gut dazustehen. Unsere Mitmenschen sollen merken, dass sie auf uns zukommen können und bei uns Verständnis sowie ein Urteil finden, das von der Bibel her bestimmt ist. Lasst uns Menschen sein, die von anderen gerne aufgesucht werden, auch von solchen, die verbittert sind. Die verbitterten Menschen sollen von uns den Eindruck haben, dass es für sie durchaus hilfreich sein kann, mit uns über ihre Probleme zu sprechen.

Der Unfriede zwischen Kindern Gottes verletzt zutiefst die Ehre Gottes und bringt Schande über seine Gemeinde. Zudem wird eine von Zwietracht betroffene Gemeinde in den geistlichen Ruin getrieben, wenn Versöhnung ausbleibt. Jede bittere Wurzel, die aufkommt und Unfrieden anrichtet, muss daher frühzeitig vernichtet werden. Wo Unfrieden herrscht, muss tiefgründiger Frieden gestiftet werden.

Einschränkung der Friedfertigkeit

Eine Einschränkung der Friedfertigkeit muss allerdings vorgenommen werden. Friedensstifter sollen nicht Frieden gegen Grundsätze der Jüngerschaft oder auf Kosten der Wahrheit verbreiten. Martyn Lloyd-Jones beschreibt Menschen, die ‚Frieden um jeden Preis’ wollen sehr treffend: »Sie beziehen keine Stellung, wo sie eigentlich Stellung beziehen sollten; sie sind schlaff und nachgiebig. Sie scheinen zwar ganz nett zu sein, aber wenn das die Prinzipien und Menschen wären, die den Lauf dieser Welt bestimmen, dann wäre es um die Erde schlimmer bestellt, als es schon ist. Ein Friedensstifter ist nicht jemand, der nur beschwichtigt und besänftigt.« Die Mühe, Frieden zu stiften und das Einstehen für die Wahrheit stehen nicht im Widerspruch zueinander; beide ergänzen sich.

Verheißung für Friedensstifter

Bemerkenswert ist die Verheißung, die an die zu Grunde liegende Seligpreisung geknüpft ist: »denn sie werden Söhne Gottes heißen!« Söhne Gottes sind Kinder Gottes. Demnach ist Friedfertigkeit ein Kennzeichen für Kinder Gottes. Wahre Kinder Gottes sind ihrem Vater, der ein Gott des Friedens ist, ähnlich. Im Umkehrschluss kann mangelnde Friedfertigkeit ein Hinweis für fehlende Gotteskindschaft sein. Diese Seligpreisung gibt somit Anlass zur Selbstprüfung.

Der größte Friedensstifter aller Zeiten ist zweifellos Jesus Christus. Er hat am Kreuz den Frieden zwischen Gott und Mensch geschaffen, denn »die Strafe lag auf ihm, damit wir Frieden hätten« (Jesaja 53,5). Wenn wiedergeborene Christen Frieden stiften, dann sind sie ihrem Herrn ähnlich, denn er ist der Friede-Fürst (vgl. Jesaja 9,5).

Lieber Leser, sei ein Friedensstifter!


Waldemar Dirksen

Dieser Artikel ist erstmals in der Printausgabe »#4 Frieden« (3/2011) erschienen. Das Heft – mit vielen weiteren Artikeln zum Thema – ist leider vergriffen. Die Ausgabe ist jedoch online hier kostenlos nachzulesen.

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