»Was hilft es meine Brüder, wenn jemand sagt, er habe Glaube, und hat doch keine Werke? Kann ihn denn ein solcher Glaube retten? Wenn nun ein Bruder oder eine Schwester ohne Kleidung ist und es ihnen an der täglichen Nahrung fehlt, und jemand von euch würde zu ihnen sagen: Geht hin in Frieden, wärmt euch und sättigt euch!, aber ihr würdet ihnen nicht geben, was zur Befriedigung ihrer leiblichen Bedürfnisse erforderlich ist, was würde das helfen? So ist es auch mit dem Glauben: Wenn er keine Werke hat, so ist er an und für sich tot.« Jakobus 2,14-17

Jakobus verdeutlicht in diesem Abschnitt die Beziehung zwischen Glaube und Werken. Auf die Frage: »Glaubst du, dass Jesus Christus stellvertretend für dich am Kreuz gestorben ist?« werden viele mit ja antworten, darunter auch solche, die in Wirklichkeit keinen rettenden Glauben besitzen, sondern diesen nur vorgeben. Jakobus spricht davon in Vers 14 und hinterfragt einen solchen Glauben sofort durch eine rhetorische Frage: »Kann ihn denn ein solcher Glaube retten?« Die Antwort ist offensichtlich: Nein! In Vers 15 und 16 verdeutlicht Jakobus dies anhand eines Beispiels und sagt, dass ein bloßes Mundbekenntnis ohne darauffolgende Taten zu nichts nütze ist außer zum Selbstbetrug. Im folgenden Vers unterstreicht er diese Tatsache und schreibt, dass ein solcher Glaube tot ist.

Das Wort Gottes sagt unmissverständlich, dass die bloße Inanspruchnahme biblischer Verheißungen keinen rettenden Glauben bezeugt, sondern dass dieser durch Taten gesehen werden muss. Ohne die ausgegossene Liebe Gottes im Herzen ist unser Bekenntnis nichts weiter als ein tönendes Erz oder eine schallende Zimbel.

Also muss auf die Frage nach dem Glauben eine weitere Frage folgen: Wenn du glaubst, wo ist der Beweis dafür? Welche Früchte hat der Glaube in deinem Leben hervorgebracht? Christus sagt, dass jeder Baum an der Frucht, die er hervorbringt, erkannt wird (Lukas 6,44) und dass ein guter Baum keine schlechte Frucht hervorbringt oder umgekehrt (Lukas 6,43). Unsere guten Vorsätze machen keine Wiedergeburt und unser verändertes Leben deutet nicht zwingend auf ein verändertes Herz.1 Aber wenn du wahrhaftig glaubst, dann wird der Wind des Heiligen Geistes nicht spurlos an deinem Leben vorüberziehen. Es wird ungewöhnliche Veränderungen geben, die sich in deinem gesamten Wesen, deinen Sehnsüchten, deinen Gedanken und deinen Taten widerspiegeln werden. Du kannst den Glauben bekennen, wie du willst, letztlich wirst du das leben, was du im Herzen glaubst.

Im Wort Gottes wird von vielen Menschen berichtet, bei denen die verändernde Kraft des Heiligen Geistes sichtbar wurde. Dazu zählen Zachäus, der Apostel Matthäus, der Kerkermeister und die Thessalonicher. Bedauerlicherweise hält es kaum jemand für nötig, das gehörte Wort Gottes über diese Menschen im Glauben umzusetzen. Wir finden immer unzählige Ausreden und Begründungen, warum ein flaches Glaubensleben gerade in unserem Fall hingenommen werden kann. Allzu oft wird verdrängt, dass Gott keine lauwarmen ›Anhänger‹ akzeptiert (Offenbarung 3,16). Es ist eine offensichtliche Tatsache, dass viele bereitwillig die Worte »Glaube an den Herrn Jesus Christus, und du wirst gerettet werden« (Apostelgeschichte 16,31) für sich in Anspruch nehmen, ohne ein klares Verständnis darüber zu haben, was das wirklich bedeutet: Wenn du glaubst, dass es eine Hölle gibt, dann aber weiter einen Lebenswandel mit Kurs auf die Verdammnis führst; wenn du glaubst, dass ein Leben in Sünde ewige Strafe nach sich zieht, und dennoch in Sünde weiterlebst – in wie fern kannst du dich dann echten Glaubens rühmen?

Glaube kennzeichnet sich im Gläubigen indem er überwindet (1. Johannes 5,4), – durch den, der die Welt bereits überwunden hat. Er kennzeichnet sich durch ein gereinigtes Herz (Apostelgeschichte 15,8.9), in das die Liebe Gottes ausgegossen ist. Und er kennzeichnet sich, indem er durch diese ausgegossene Liebe wirksam ist (Galater 5,6). Die Liebe Gottes ist der Keim und die Lebenskraft des Glaubens. Sie macht den Glauben wirksam im Gläubigen durch die täglich sichtbare Güte, Langmut und Barmherzigkeit des Vaters gegenüber einem verdorbenen Sünder. Sie macht den Glauben wirksam durch die unbegreifliche Hingabe des einzigen und unschuldigen Sohnes für das sündige Geschöpf und erfüllt den Gläubigen mit Leben, das nicht übersehen werden kann. Aus dieser brennenden Liebe heraus handelt das Kind Gottes im Glauben. Deshalb ist der Glaube ohne Werke tot.

Es ist wichtig und notwendig unseren Glauben auf die Waagschale zu legen, um zu erkennen, ob wir nicht zu leicht befunden werden.

Es ist wichtig und notwendig unseren Glauben auf die Waagschale zu legen, um zu erkennen, ob wir nicht zu leicht befunden werden. Apostel Paulus fordert uns sogar auf, unseren Glauben zu prüfen und auf die Probe zu stellen (2. Korinther 13,5). In Anbetracht der Ewigkeit sollte niemand diese Frage leichtfertig beantworten, sondern absolute Gewissheit suchen. Es ist zu bezweifeln, dass ein Mensch in Christus wiedergeboren ist, wenn er sich dieser Frage aus Furcht nicht stellen will, und stattdessen nur die verheißenen Worte der Bibel berücksichtigt. Petrus schreibt in seinem ersten Brief, dass »die Bewährung des Glaubens, Lob, Ehre und Herrlichkeit zur Folge habe« (1. Petrus 1,7). Sich darauf zu beschränken immer wieder die gleichen Verse zu rezitieren, ist keine Bewährung des Glaubens; es ist auch keine Glaubensgewissheit, sondern eine Beschwichtigung des eigenen Gewissens. Die Verheißungen des Wortes Gottes sind in der Tat Gotteskraft, doch nicht jedem, sondern nur dem, der glaubt (1. Korinther 1,18).


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#2 Glaube

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Andreas Kuhlmann gehört als Mit-Gründer von Timotheus zu den Herausgebern und Autoren des Magazins.

Dieser Artikel ist erstmals in der Print-Ausgabe »#2 Glaube« (01/2011) erschienen. Das Heft – mit vielen weiteren Artikeln zum Thema – ist nach wie vor in unserem Shop erhältlich.