Für viele schließt sich die Erwählungslehre und Missionseifer aus. Für Peter nicht. Sein Leben beweist das genaue Gegenteil. Gesunde Lehre ist für ihn die Voraussetzung, um das Evangelium auf den Straßen, in den Gefängnissen und Asylheimen zu verkünden. Was das alles mit Johann Gerhard Oncken, Spurgeon, Paul Washer und seiner Kindheit zu tun hat, erklärte er uns in einem radikalen, aber auch ermutigenden Gespräch.

Die deutschsprachige reformatorische Welt ist nicht wirklich groß und so bin ich schon relativ früh auf deinen Namen aufmerksam geworden. Bei der Recherche zu diesem Interview bin ich allerdings auf dein Zeugnis aufmerksam geworden, das mich sprichwörtlich vom Hocker gehauen hat. Kannst du uns etwas über dein Leben erzählen, bevor du zum Glauben gekommen bist?

Es ist keine Übertreibung, wenn ich sage, dass ich in einer Verwahrlosung aufwuchs, wie man sie selten in Deutschland findet. Ich kann selbst kaum fassen, aus welch tiefer Finsternis der Herr mich befreite. Ohne das Eingreifen Gottes, säße ich heute entweder im Gefängnis oder läge bereits auf dem Friedhof. Ich führte ein vollkommen gottloses Leben und kannte darum keine Hoffnung… Ich plante als Jugendlicher, mein Leben zu beenden. Doch in Gottes Vorsehung fand ich eines Nachts ein Traktat über das Evangelium von Jesus Christus. Ich hatte keinen blassen Schimmer, wer Christus ist und warum er am Kreuz starb, doch was ich in jener Nacht las, veränderte mein Leben für immer. Christus erlöste mich; besser kann ich es nicht beschreiben. Er öffnete mir die Augen für meine große Schuld und für seine große Gnade. Auf den Knien betete ich Christus an und er erfüllte mein Herz mit einem Frieden, der bis heute anhält.

Man kann sagen, dass du theologisch durchaus reformatorisch eingestellt bist und die Lehren der Gnaden vertrittst. Wann ist dir als Christ bewusst geworden, dass es die Gnade Gottes und weniger die eigene Willensentscheidung war, die dich zu Christus brachte?

Das war mir von Anfang an bewusst. Hätte Christus mich nicht zuerst geliebt und hätte der Vater mich nicht gezogen, ich würde Gott heute noch ablehnen. Ich weiß einfach zu gut, wie böse ich bin.

Sehr beeindruckend. Gerade an solchen Beispielen wird sehr deutlich, dass wir vollkommen von der Gnade Gottes abhängig sind. Kommen wir zu deiner aktuellen Tätigkeit. Vielen bibeltreuen Christen ist Paul Washer ein Begriff. Tatsächlich wirst du von seinem Missionswerk „HeartCry Missionary Society“ als Missionar und Gemeindegründer in Deutschland beschäftigt. Kannst du uns verraten, wie es dazu gekommen ist?

HeartCry Missionary Society selbst sendet und beschäftigt keine Missionare. HeartCry unterstützt jedoch bekenntnisverwandte Ortsgemeinden dabei, Missionare auszusenden und für sie zu sorgen. Während meines Theologiestudiums wollte ich bibeltreue Mission unterstützen und entschied mich für HeartCry. Es entstand nach einiger Zeit ein gewisser Kontakt. Eines Tages meldete sich Paul Washer bei mir und wir tauschten uns aus. Paul wusste, dass ich vorhatte, mich der Reformierten Baptistengemeinde in Wetzlar anzuschließen, um dort zu lernen und zu dienen. Nach einem persönlichen Kennenlernen, entschied sich HeartCry, nicht allein mich, sondern auch meinen treuen Bruder Nathanael Armisen zu unterstützen. Ich bin sehr froh, Nathanael an meiner Seite zu haben. Er ist mir ein Vorbild, eine große Ermutigung und eine unersetzbare Hilfe. Wir beide, ja die ganze Gemeinde in Wetzlar, verdanken Paul Washer sehr viel. Er ist uns ein treuer Freund, der uns mit Rat, Gebet und praktischer Hilfe zur Seite steht.

Deutschland ist nominell ein christliches Land. Es ist das Land der Reformation. Allerdings zeigt deine Tätigkeit: Es ist längst ein Missionsland geworden. Wir senden keine Missionare mehr aus, vielmehr brauchen wir selbst welche. Wie siehst du die Lage des Christentums in Deutschland?

Persönliche Evangelisation auf der Straße 2

Peter Schild geht regelmäßig auf die Straßen um das Evangelium weiterzugeben.

In den letzten Jahren klopfte ich an zahllose Türen und verkündigte unzähligen Menschen das Evangelium auf der Straße. Das ist nur meine subjektive Wahrnehmung, aber ich glaube, dass in Deutschland nicht einmal ein Prozent der Bevölkerung wiedergeborene Christen sind. Vielleicht treffe ich einen echten Christen unter 1000 Menschen, die ich anspreche. So manches Mal könnte ich nur heulen, wenn ich evangelisiere. Überall treffe ich auf völlige Unkenntnis über das Evangelium. Tag für Tag bin ich erschüttert über die geistliche Armut in Deutschland. Es passiert auch nicht selten, dass ich beim Evangelisieren übelst beschimpft, bedroht, wenn nicht sogar angegriffen werde. Deutschland ist ein Missionsgebiet, das steht für mich außer Frage. Wer anders denkt, soll mit mir durch Frankfurt gehen und sich all die verlorenen Seelen anschauen, die noch nie in ihrem gesamten Leben etwas vom Erlösungswerk Christi gehört haben. Hinzu kommt, dass ich viel auf Menschen treffe, die aus dem Ausland kommen und in ihrer Heimat niemals das Evangelium hören konnten. Manch einer regt sich auf über die Flut von Asylanten. Ich glaube, dass es sich um eine Gelegenheit handelt, die wir unbedingt ergreifen müssen. Ich kann zwar nicht als Missionar in ihr islamisches Land reisen, aber wenn der Herr sie in seiner Vorsehung zu uns bringt, dann will ich ihnen Christus bringen. Wir evangelisieren darum gerne unter Muslimen und in Asylantenheimen. Die Ernte ist groß, doch der Arbeiter sind wenige.

Ich glaube, dass es sich um eine Gelegenheit handelt, die wir unbedingt ergreifen müssen. Ich kann zwar nicht als Missionar in ihr islamisches Land reisen, aber wenn der Herr sie in seiner Vorsehung zu uns bringt, dann will ich ihnen Christus bringen.

Dieser Einschätzung kann ich mich nur anschließen. Ein trauriger Zustand. Wie sieht der Alltag eines Missionars in Deutschland aus?

Ich bin vor allem in Wetzlar und Frankfurt am Main unterwegs. Meine Hauptaufgabe besteht darin, zu evangelisieren, das heißt ich gebe das Evangelium an solche Menschen weiter, die noch nicht an Jesus Christus glauben. Ich gehe mal von Haus zu Haus, verteile Traktate, spreche Menschen an, predige auf der Straße, mache Büchertischarbeit oder Haus- und Gefängnisbesuche und so weiter. Bei meinem Dienst treffe ich auf ganz unterschiedliche Menschen; von Zuhältern bis Anwälten ist alles dabei. Christus muss sowohl im Rotlichtviertel als auch vor den Edelboutiquen verkündigt werden. Neben der Evangelisation führe ich viele Gespräche oder beantworte Emails. Meistens geht es hierbei um Jüngerschaft beziehungsweise um seelsorgerliche Angelegenheiten. Ich leite zudem Gebetsstunden, halte Bibelstunden und predige bzw. lehre jeden Sonntag. Ich verbringe darum nicht wenig Zeit in meiner Studierstube. Die Zeit in der Einsamkeit mit dem Herrn ist aber der wichtigste Teil meiner Tätigkeit. Montag ist mein freier Tag, da verbringe ich ausgiebig Zeit mit meiner derzeit schwangeren Frau und meinem Sohn. Paul Washer sagt mir – oder eher ermahnt mich – immer wieder, wie wichtig es ist, dass ich trotz aller Arbeit meine Familie nicht vernachlässige, sondern genügend Zeit mit ihnen verbringe. Es passiert leider sehr schnell, dass man für alle da ist, nur nicht für die eigene Familie.

Ja, da hast du sicher recht. Große Gottesmänner wie George Whitefield oder A.W. Tozer waren ja durchaus bekannt dafür, alles für den Herrn zu geben, aber die eigene Familie zu vernachlässigen.

Ja, wir sollten nicht nur von ihren »Heldentaten«, sondern auch von ihren Fehlern und Schwächen lernen.

Kommen wir zurück zur persönlichen Evangelisation. Viele Menschen in Deutschland halten sich für Christen, allein weil sie evangelisch oder katholisch konfirmiert oder getauft wurden. Was sind diesbezüglich die besonderen Schwierigkeiten, Menschen für Gott zu erreichen?

Der Großteil der Menschen, auf die ich treffe, ist selbstgerecht und hat keinen blassen Schimmer, dass der Zorn Gottes auf ihnen ruht und sie darum unbedingt einen Retter brauchen. Der kirchliche Hintergrund, den nun mal viele Deutsche haben, hilft so manchen, das eigene Gewissen zu beruhigen, ganz nach dem Motto: »Ich bin ein guter Christ. Was wollen Sie mir schon von Gott erzählen, schließlich bin ich doch evangelisch/katholisch und führe ein anständiges Leben.« Gott widersteht hochmütigen und selbstgerechten Menschen, so dass es tatsächlich ein Hindernis darstellt. Aber der Herr vermag jedes Hindernis zu überwinden, denn jeder Mensch ist tot in Sünden, ob nun toter Namenschrist oder toter Atheist. Jede echte Bekehrung ist ein Wunder Gottes! Würde ich nicht an Gottes souveränes Eingreifen glauben, hätte ich die Missionsarbeit schon längt aufgegeben.

Würde ich nicht an Gottes souveränes Eingreifen glauben, hätte ich die Missionsarbeit schon längt aufgegeben.

Ähnliche Erfahrungen habe ich auch gemacht. Kürzlich hat der bekannte Prediger Ulrich Parzany gesagt, dass nicht jeder Christ ein Evangelist sei. Evangelisieren sei letztlich auch eine besondere Begabung. Kannst du dich dieser Meinung anschließen?

Epheser 6,15 lehrt, dass jeder Christ die Bereitschaft haben sollte, das Evangelium weiterzusagen. Christus zu verschweigen, ist meines Erachtens eine große Sünde. Stell dir vor, du siehst einen Menschen in Todesgefahr und du gehst an ihm vorbei, weil du dir sagst: »Ach, es gibt für solche Fälle doch schließlich ausgebildete Rettungshelfer und Notärzte, die sollten sich darum kümmern, die sind dazu in der Lage. Ich habe nicht die nötige Befähigung zu helfen!« Derartige Gedanken sind unfassbar lieblos und durch und durch sündhaft. Natürlich haben die Notärzte eine besondere Fähigkeit, Menschen in Lebensgefahr zu helfen. Diese Tatsache entbindet aber keinen Menschen von seiner Pflicht, Hilfe zu leisten, wo er nur und so gut er nur kann. Du hast die Pflicht, das Evangelium weiter zu sagen, wo du bist und so gut du kannst, auch wenn du nicht so begabt bist wie andere.
Es geht hier um Leben und Tod! Ja, es gibt Menschen, die sind besonders begabt, diese müssen auch besonders gefördert werden, aber ich bin fest überzeugt, dass jeder Christ die Bereitschaft haben muss, das Evangelium weiterzusagen. Die Nächstenliebe fordert es. Spurgeon hat es einmal so ausgedrückt: »Hast du nicht den Wunsch, dass andere errettet werden? Dann bist du selbst nicht errettet. Da kannst du dir sicher sein.«

Das klingt sehr einleuchtend und richtig. Fairnesshalber muss ich aber anfügen, dass Parzany seine Aussage auf Epheser 4,11 gründete: »Und Er hat etliche als Apostel gegeben, etliche als Propheten, etliche als Evangelisten, etliche als Hirten und Lehrer.«

Ich denke, ich verstehe, was Parzany sagen will. Ich sehe aber kaum Evangelisten, dafür viele Christen, die meinen, nicht evangelisieren zu müssen.

Du hast vorhin den Begriff »bibeltreue Mission« verwendet. Du machst einen sehr praktischen Dienst. Wie wichtig ist eine gesunde biblische Lehre bei dieser Arbeit? Ist reformatorische Lehre dafür überhaupt nötig?

Büchertisch mit Pastor der ERB Wetzlar Nathanael Armisen

Peter und sein Verbündeter und Weggefährte Nathanael Armisen

Meine Arbeit ist in erster Linie Wortverkündigung. Ich säe Gottes Wort und bete, dass Gott Wachstum schenkt. Ich habe und kenne kein anderes Mittel, das Kraft hat, um Menschen zu retten und Gemeinde zu gründen als allein das biblische Evangelium. Reformatorische Lehre ist für mich synonym mit schriftgemäßer Lehre. Es ist mir ein großes Anliegen, dass alles bei meiner Arbeit auf die allgenügsame, irrtumslose, gesamte Heilige Schrift gründet, die für mich nichts anderes ist als Gottes ausgehauchtes Wort. Zur Bibel gilt es nichts zu ergänzen, sondern ihr bedingungslos zur gehorchen. Menschenworte und Ideen sind null und nichtig. Die Weisheit aus Gottes Wort hat Bestand und beweist sich als weit überlegen gegenüber allen modernen menschenerdachten Methoden. Ich stimme dem Gründer der deutschen Baptisten, Johann Gerhard Oncken, zu, der einmal sagte: »Wir haben nur eine Waffe, das ist das gute alte Buch, das Schwert des Geistes, und eine andre Waffe hat in unsern Augen gar keinen Wert. Das Wort des lebendigen Gottes ist der Grund, darauf wir stehen und stehen wollen. Bleiben wir nur auf diesem bewährten Grunde, folgen wir nur Gottes Wort und dem Geiste des Wortes, dann ist uns der Sieg gewiss. Wir kennen keine Gefahr außer uns, unsre Gefahren können nur von innen kommen. Sollen unsre Gemeinden vernichtet werden, so kann es nur durch ein Mittel geschehen: Die Bibeln müssen auf unsern Märkten verbrannt und aus der Welt geschafft werden! Aber solange Gottes Wort in unsern Händen liegt, solange haben wir die Wehr und Waffe, wodurch es uns gelingen muss. Und als eine Gemeinde Christi, bleiben wir nur bei dem Wort, ist uns hier nichts klein und bedeutungslos, so werden wir die gesunde Stellung, die wir eingenommen haben, behaupten zur Ehre und Verherrlichung des großen Gottes.« (Oncken, Johann Gerhard: Licht und Recht. Eine Sammlung von Predigten und Reden gehalten von J. G. Oncken weiland Prediger der Baptisten-Gemeinde in Hamburg, Cassel 1901, 238.)

»Wir haben nur eine Waffe, das ist das gute alte Buch, das Schwert des Geistes, und eine andre Waffe hat in unsern Augen gar keinen Wert.« —Oncken

Diese Interviewreihe heißt »Kirche in Deutschland«. Was bedeutet für dich Gemeinde und wie siehst du die Zukunft für bibeltreue Gemeinden und Kirchen in Deutschland?

Ich kann die Bedeutung beziehungsweise den Stellenwert von biblischer Gemeinde nicht genug betonen. Umso länger ich dem Herrn diene, desto wichtiger wird mir Gemeinde. Leider gibt es in Deutschland immer weniger bibeltreue Gemeinden. Liberalität, Schwärmerei, Gesetzlichkeit und andere Plagen hinterlassen in Deutschland eine Spur der Verwüstung. In manchen Gegenden Deutschlands sucht man weit und breit vergebens nach einer bibeltreuen Gemeinde. Regelmäßig bekomme ich Anfragen von Geschwistern aus dem ganzen Land, die trotz langer Suche keine auch nur ansatzweise bibeltreue Gemeinde finden können. Ich trauere darüber und flehe, dass der Herr in seiner unverdienten Gnade eingreift und das Land heimsucht mit einer neuen Hinwendung zu ihm. Ich glaube, der Herr hat schon begonnen, etwas zu tun. Ich beobachte, wie gerade junge Menschen die Nase voll von oberflächlicher, Weichspültheologie haben und sich wieder den biblischen Wahrheiten und altbewährten Predigern zuwenden. Menschen in Deutschland lesen wieder die Puritaner! Wenn es auch nur kleine und schwache Anfänge sind, so tut sich doch etwas und wir können sehr dankbar dafür sein. Der neu erweckte Eifer für biblische Theologie muss aber auch mit einem Eifer für einen heiligen Lebenswandel einhergehen. Es reicht nicht, Biographien von »Glaubenshelden« zu lesen, wir müssen auch anfangen, den Glauben unserer Helden zu leben. Es reicht nicht, am Schreibtisch zu sitzen und über vergangene Zeiten zu träumen. Wir selbst müssen heute auf unsere Knie gehen, um den Herrn zu suchen. Gottes Geist gibt es nicht Second-Hand. Wir müssen selbst um die Kraft aus der Höhe flehen, um ein heiliges Leben zu führen und Christus zu bezeugen. Jeder muss sich selbst prüfen, ob wir wirklich mit ganzer Hingabe leben. Möge der Herr schenken, dass sein heiliges Evangelium nicht bloß studiert wird, sondern auch gelebt und auf den Kanzeln und Straßen mit Leidenschaft verkündigt wird.

Das sehe ich sehr ähnlich. Dennoch halten viele Christen die reformatorische Erwählungslehre und aktives Evangelisieren für widersprüchlich. Wie siehst du das? Du hast eben bereits die Souveränität Gottes angesprochen.

Für mich gehört beides unzertrennlich zusammen. Evangelisation ist das von Gott festgesetzte Mittel, um die Erwählten zu erreichen. Deswegen erdulde ich alles um der Auserwählten willen, damit auch sie die Rettung, die in Christus Jesus ist, mit ewiger Herrlichkeit erlangen. Nebenbei erwähnt: Viele der Missionare, die man so aus der Geschichte kennt – die Gott gebraucht hat – waren Calvinisten.

Amen. In der evangelikalen Welt sind Evangelisationswochen Gang und Gäbe. Hier wird oft auch der »Altar Call« (der Ruf nach vorne zu kommen) eingesetzt, um eine »Entscheidung« herbeizuführen. Wie siehst du diese Methode? Ist es eine biblische Art, Menschen für Gott zu »gewinnen«?

Ich halte nichts davon. Es mag sein, dass Menschen auch bei einem »Altar Call« zum Glauben kommen. Es mag sein, dass jemand ein »Übergabegebet« aufrichtigen Herzens nachbetet und errettet wird. Aber ich würde nicht sagen, dass es aufgrund dieser Dinge geschieht, sondern trotz dessen. Ich halte nichts von Manipulation. Wenn Gott durch die Wortverkündigung das Wunder der Wiedergeburt im Herzen eines Menschen bewirkt und rettenden Glauben schenkt, dann muss ich kein Gebet vorsagen, die Person wird zum Herrn rufen! Ob eine Person Christ geworden ist, zeigt sich nicht daran, ob sie nach vorne geht, sondern ob sie Christus nachfolgt.

Ob eine Person Christ geworden ist, zeigt sich nicht daran, ob sie nach vorne geht, sondern ob sie Christus nachfolgt.

Dem kann ich mich nur anschließen. Gibt es für dich in der Kirchengeschichte besonders inspirierende Personen, die dir für deine Arbeit Mut machen und ein Vorbild sind?

Zwei Männer haben mein Leben geprägt, wie keine anderen. Sie sind für mich wie eng vertraute Freunde, obwohl ich sie nie von Angesicht zu Angesicht gesehen habe. Johann Gerhard Oncken und Charles Haddon Spurgeon. Sie selbst waren untereinander befreundet. Oncken war ein reformierter Christ, der zur baptistischen Taufauffassung gelangte. Spurgeon war ein durch und durch vom Puritanismus geprägter Christ, der ebenfalls calvinistischer Baptist war. Beide liebten Christus und dienten ihm bis zum Ende mit ganzer Hingabe und großer Opferbereitschaft. Sie hielten an der Irrtumslosigkeit und völligen Genügsamkeit der Schrift fest und trotzten aller Liberalität und Schwärmerei. Sie hielten an den biblischen Gnadenlehren unerschrocken fest. Sie waren Seelengewinner. Sie waren gemeindeorientiert. Sie waren Männer des Gebets. Sie waren nicht perfekt, aber in ihrer Schwachheit klammerten sie sich an den vollkommenen Retter Christus und verkündigten das reine Evangelium zum Segen für viele.

Ja, was für Mutmacher! Zum Abschluss noch ein kleiner Fragebogen mit 10 Fragen:
1. Welcher biblischen Person würdest du gerne welche Frage stellen?

Herr Jesus Christus, dürfte ich dir alle Frage stellen, die ich so habe? (grinst)

2. Schwierigste Bibelstelle?

Johannes 3,16. Wie kann Gott nur diese Welt lieben?

3. Bevorzugte Bibelübersetzung?

Elberfelder

4. Mit welcher Person der Bibel kannst du dich am ehesten identifizieren?

Dem Gerasener.

5. Welche Person der Kirchengeschichte würdest du gerne einmal treffen? Ich vermute mal Oncken und Spurgeon.

Jab.

6. Was war das letzte Buch, das du gelesen hast?

Das war so ein Doppelwerk, also zwei Bücher in einem: »Art of Men Fishing« von Thomas Boston und »Words to Winners of Souls« von Horatius Bonar. Gute Bücher.

7. Welches Buch wolltest du schon immer einmal lesen?

Ich lese zur Zeit die Autobiografie von Spurgeon (4 dicke Bände). Die deutsche Version ist nur eine extrem gekürzte Fassung. Ich will die vier Bände unbedingt bald durchgelesen haben.

8. Was bedeutet für dich Reformation?

Gottgeschenkte Rückkehr zur Bibel in Lehre und Leben.

9. Bestes Zitat?

Das ist echt schwer, ich habe so viele Zitate, die ich liebe. Aber weil wir so viel über Mission gesprochen haben, nenne ich mal eines aus diesem Bereich…natürlich von Spurgeon:
»Wenn Sünder verdammt werden, dann sollen sie wenigstens über unsere Leiber in die Hölle schreiten. Wenn sie verloren gehen, lasst sie verloren gehen mit unseren Armen um ihre Knie geschlungen, sie anflehend, zu bleiben. Wenn die Hölle gefüllt sein muss, dann lasst es zumindest trotz unser Anstrengungen geschehen und lasst nicht einen einzigen ungewarnt und unumbetet dorthin gehen.«

»Wenn Sünder verdammt werden, dann sollen sie wenigstens über unsere Leiber in die Hölle schreiten.« —Spurgeon

10. Was bedeutet Jesus für dich?

Alles kann zu große Bedeutung haben. Jesus Christus kann einem nie zu viel bedeuten. Ich bekenne, dass Christus mein Leben ist, aber ich bin weit davon entfernt, Christus mit meinem Leben die Ehre zu geben, die ihm gebührt. Bitte betet für mich, dass ich Christus mehr liebe und ihn mehr verherrliche. Christus ist nicht bloß mein Leben, weil ich für ihn lebe möchte, sondern vielmehr, weil ich durch Ihn lebe. Ich bin ein verdammungswürdiger Sünder, der ohne Christus das Leben niemals sehen wird, sondern ewig verloren geht. Ich stimme der Antwort auf die erste Frage des Heidelberger Katechismus mit ganzem Herzen zu: Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben? Dass ich mit Leib und Seele im Leben und im Sterben nicht mir, sondern meinem getreuen Heiland Jesus Christus gehöre.

Lieber Bruder, vielen Dank für die aufrichtigen und radikalen Antworten. Sei weiterhin so mutig und stark. Möge die Gnade Gottes mit dir sein!

Ich bedanke mich für deine/eure Arbeit! Ihr tut einen sehr wichtigen Dienst!


Mehr von und mit Peter Schild:


#18Wordpress-01
Dieses Interview ist erstmals in der bereits vergriffenen Ausgabe »#18 Geld, Besitz & Ewigkeit« (01/2015) erschienen. Das Interview wurde am 7. November 2014 über Skype geführt.