Die meisten Gottesdienstbesucher haben sich schon Gedanken darüber gemacht, was eine gute Predigt ausmacht. Hast du schon einmal darüber nachgedacht, ob du ein guter Hörer bist?

Rede, Herr, denn dein Knecht hört

Der junge Samuel ist ein Beispiel dafür, dass Menschen zwar Gottes Wort hören, aber doch nicht verstehen, was ihr Schöpfer von ihnen erwartet. Der Knabe musste lernen, dass Gott zu ihm spricht und wie er auf diese Stimme reagieren soll (1. Samuel 3). Du täuschst dich, wenn du meinst, dass Hören eine leichte Sache sei, die jeder ganz selbstverständlich beherrscht. Du täuschst dich, wenn du meinst, der Prediger trage alleine die Verantwortung dafür, dass du Gottes Wort verstehst und im Glauben wachsen kannst. Du täuschst dich, wenn du meinst, dass bloß der Mann hinter der Kanzel üben muss, seine Aufgabe gut zu erfüllen. Es reicht nicht, wenn du bloß im Gottesdienst anwesend bist und darauf wartest, dass jemand etwas für dich tut. Gott will, dass du genau hinhörst und darauf achtest, was er dir zu sagen hat.

Sicher hast du eine ziemlich genaue Vorstellung davon, was eine gute Predigt ist. Du nimmst an, dass sie sorgfältig vorbereitet werden muss. Der Prediger hat die Bibel gründlich zu studieren. Nach dem Studium muss darauf geachtet werden, dass die biblische Botschaft nicht in der Vergangenheit bleibt. Menschen sollen direkt angesprochen werden. Im Internet finden sich viele lebendige Predigten. Da gibt es Videos von Paul Washer, der Gott beim Wort nimmt und wie kein anderer von Gottes Heiligkeit zu reden weiß. John Piper legt sein ganzes Herz in seine Botschaft und lässt seine Hörer spüren, wonach sie sich im Innersten sehnen. R. C. Sproul legt biblische Wahrheiten in einer eindrücklich logischen Art und Weise dar. Leider – so magst du bei diesen Zeilen denken – schafft es der Prediger meiner Gemeinde nicht, mir Gottes Heiligkeit vor Augen zu stellen. Er trägt seine Predigt so vor, dass man meint, sein Herz sei unendlich weit von seinen Worten entfernt. Seiner Predigt fehlt jede Logik und es fällt dir schwer, seinen Gedanken zu folgen. So kommt es, dass du am Sonntag statt gestärkt und ermutigt, enttäuscht oder bestenfalls unberührt vom Gottesdienst nach Hause gehst. Es scheint, als ob dein Prediger eine Schulung braucht, damit sein Vortrag besser werden kann.

In diesem Artikel will ich mich nicht deiner Klage anschließen, sondern mit dir darüber nachdenken, wie du durch die Botschaft, die du am Sonntag zu hören bekommst, gestärkt und ermutigt werden kannst. Ich will dir zeigen, dass die Erwartungen, die du an deinen Prediger hast, eigentlich auch dir gelten. Wenn der Hörer nicht vorbereitet ist, wird er kaum regelmäßig Gewinn aus einer Predigt schöpfen können. Bleib nicht passiv, sondern mach dich wie Samuel auf und lerne, auf Gott zu hören!

Glaube, um zu hören!

Ganz selbstverständlich erwarten wir, dass der Prediger an Christus glaubt. Er soll Zeuge sein und davon erzählen, was er wirklich kennt. Wer Gott nur vom Hörensagen kennt, hat kaum etwas zu berichten.

Was auf den Prediger zutrifft, gilt auch für den Hörer. Gott richtet sein Wort an dich. Wenn Gott dir fremd ist, kannst du genau wie der junge Samuel nicht verstehen, wovon in der Predigt geredet wird. Alle Sendschreiben in der Offenbarung (Offenbarung 2–3) schließen mit den Worten: »Wer Ohren hat zu hören, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt!« Eine Predigt ist eine geistliche Angelegenheit. Der Hörer soll nicht menschliche Gedanken, Ansichten und Lebensweisheiten zu hören bekommen, sondern das, was Gottes Geist sagt (1. Korinther 2,3–5). Darum schreibt der Apostel Paulus (1. Korinther 2,14): »Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit und er kann es nicht erkennen; denn es muss geistlich beurteilt werden.« Der natürliche Mensch ist der Mensch, der ohne Gott leben will. Sein natürliches Interesse an der Bibel und an einer Predigt ist gering. Jeder Mensch wird in diesen natürlichen Zustand hineingeboren. Um von einer Predigt profitieren zu können, musst du ein geistlicher Mensch werden. Geistlich sind all die Menschen, die sich Gott zuwenden und erkennen, dass Christus die Strafe für ihre Rebellion gegen ihren Schöpfer auf sich genommen hat. Sie sind geistlich, weil Gottes Geist in ihnen wohnt (Römer 8,9).

  • Prüfe dich, ob du im Glauben stehst (2. Korinther 13,5) und Gott dir seinen Geist geschenkt hat (1. Korinther 2,12).
  • Gib dich nicht mit einer Ahnung zufrieden (Hiob 42,5), sondern bitte Gott darum, dass er dir durch seinen Geist die Gewissheit schenkt, dass du von deiner Sünde erlöst bist (Römer 8,14–16).
  • Frag deinen Prediger um Rat, wenn du dir in dieser Sache unsicher bist.
Bete, um zu hören!

Weil eine Predigt eine geistliche Angelegenheit sein soll, kann sie nicht ohne Gebet vorbereitet werden. Wir erwarten, dass der Prediger darum bittet, dass er Gottes Wort verstehen kann und dass es ihm gelingt, es richtig an die Gemeinde weiterzugeben.

Diese Arbeit ist schwer für einen einzelnen Mann. Es ist nötig, dass du dich dem Gebet deines Predigers anschließt. Selbst der Apostel Paulus bat die Empfänger seiner Briefe um Gebet (Kolosser 4,3): „Betet zugleich auch für uns, dass Gott uns eine Tür für das Wort auftue und wir das Geheimnis Christi sagen können.“ Dein Prediger braucht eine offene Tür, damit er das Wort Gottes verstehen kann. Und ebenfalls genau wie Paulus braucht er eine offene Tür, damit das Wort, das er von seinem Herrn erbeten hat, von den Hörern angenommen wird.

Eine Tür ist bei dir und deinem Herzen. Gott spricht durch die Predigt zu dir. Auch dein Herz soll durch das Gebet vorbereitet werden. Du musst bereit werden, von Gott und seinem Wort verändert zu werden. Gott will ein herrliches Werk an dir tun. Der Apostel Paulus beschreibt es folgendermaßen (Römer 8,29): »Die er ausersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dass sie gleich sein sollten dem Bild seines Sohnes, damit dieser der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.« Du wirst dich niemals selbst so verändern können, dass du genauso wie Jesus bist. Bete darum, dass Gott dir seinen Geist gibt (Lukas 11,13), der dieses gute Werk an dir tut (Titus 3,4–7).

  • Danke Gott, dass du sein Wort zu hören bekommst (Römer 10,14–17).
  • Bete täglich für deinen Prediger und seinen Dienst (2. Thessalonicher 3,1).
  • Bete darum, dass du Gottes Wort in der Predigt hören kannst und dass du dadurch zu Gottes Ehre verändert wirst (1. Thessalonicher 2,13).
Studiere die Schrift, um zu hören!

Ein Prediger muss die Bibel gründlich studieren. Damit er nicht einfach seine eigenen Gedanken an seine Hörer weitergibt, muss er sich wirklich mit Gottes Wort beschäftigen und darin Gottes Willen erkennen lernen.

Vielleicht erwartest du, dass der Prediger diese Arbeit für dich übernimmt. Er ist doch dazu da, dass er dir Gottes Wort auslegt und erklärt. Wenn du mit dieser Haltung einen Gottesdienst besuchst und dich selbst die ganze Woche nicht mit der Bibel beschäftigt hast, gleichst du einem ausgetrockneten Schwamm. Wenn ein solcher Schwamm mit Wasser übergossen wird, perlt es von ihm ab. Um Wasser aufnehmen zu können, muss der Schwamm zuerst angefeuchtet werden. Am meisten Gewinn aus einer Predigt kannst du dann ziehen, wenn du dich mit dem, wovon der Prediger redet, bereits beschäftigt hast und wenn du an Gedanken anknüpfen kannst, die du bereits bewegt hast. Jesus sagte zu seinen Jüngern (Lukas 8,18): »So seht nun darauf, wie ihr zuhört; denn wer da hat, dem wird gegeben; wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er meint zu haben.« Wer sein Herz mit Gottes Wort vorbereitet, wird noch mehr Trost, Stärkung und Ermutigung aus der Predigt erhalten. Wer aber ausgetrocknet hören will, wird enttäuscht werden.

  • Lies regelmäßig in der Bibel. Bring dabei nicht einfach die Kapitel hinter dich, die du dir vorgenommen hast, sondern sei mit Kopf und Herz dabei (Apostelgeschichte 8,30).
  • Verwende Hilfsmittel (Kommentare, Lexika, Inhalte aus dem Internet), um zu verstehen, was du gelesen hast. Dein Prediger wird dir sicher gerne entsprechende Hilfen empfehlen.
  • Lies den Predigttext bereits vor der Predigt. Notiere dir, was dir nicht klar ist und was dich besonders freut.
Wende an, um zu hören!

Der Prediger soll nicht nur erklären, wie ein Text der Bibel zu verstehen ist, sondern soll zeigen, was diese Worte mit unserem Leben zu tun haben. Eine Predigt soll nicht bloß ein Vortrag sein, sondern eine Botschaft, die mitten in unser Leben spricht.

Wieder kannst du erwarten, dass der Prediger diese Arbeit für dich tut. Aber sieh dich im Gottesdienst um. Neben, vor und hinter dir sitzen weitere Hörer. Sie alle haben ihre eigenen Zweifel und haben mit ihren eigenen Sünden zu kämpfen. Es ist schlicht unmöglich, dass der Prediger in einer Botschaft für alle seine Hörer konkrete Anweisungen weitergibt. Manchen Predigern fällt es schwer, eine Anwendung zu finden. Trotzdem ist es nicht vergebens, ihnen zuzuhören. Das Wort, das du von Gott hörst, soll dein Herz erreichen und dich verändern. Das gelingt dir besser, wenn du bereits gewohnt bist, Bibeltexte auf dein Leben anzuwenden. Gottes Wort will mehr an dir tun, als dein Wissen zu vergrößern. Davon schreibt Paulus an Timotheus (2. Timotheus 3,16–17): »Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, dass der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt.« Das Ziel von Gottes Wort ist dein Tun. Darum musst du dich selbst an diesem Wort prüfen und ihm entsprechend handeln. Erst was du tust, hast du wirklich begriffen. Erst wenn du es tust, gehört das, was du erkannt hast, wirklich zu deinem Leben (Matthäus 7,24–27).

  • Frage dich bei jedem Bibeltext, wie du ihn auf dein eigenes Leben anwenden kannst (Psalm 111,10).
  • Mache dir Notizen während der Predigt. Statt aufzuschreiben, was der Text bedeutet, notiere dir, wie du den Abschnitt in der kommenden Woche anwenden kannst.
  • Rede mit anderen Christen darüber, wie Gottes Wort, das ihr gehört und gelesen habt, euer Leben verändert.
Sei begeistert, um zu hören!

Viel lieber hören wir einem Prediger zu, der ganz in seiner Botschaft lebt, als einem, der seine Predigt trocken vorträgt. Wie herrlich ist es, wenn man spüren kann, dass es für jenen Mann in diesem Augenblick nichts Besseres gibt, als die Botschaft, die er vorbereitet hat, an seine Gemeinde weiterzugeben.

Mit der gleichen Haltung wirst du als Hörer den größten Gewinn aus einer Predigt ziehen. Wenn du dir nichts Besseres vorstellen kannst, als auf Gottes Wort zu hören und mit ganzem Herzen dabei bist, wirst du bestimmt nicht ohne eine Ermutigung, ohne einen Trost oder ohne eine Erkenntnis nach Hause gehen, für die du Gott danken kannst (Psalm 119,162). Es ist nicht leicht, jeden Sonntag mit einer solchen Haltung in den Gottesdienst zu kommen und sie während der ganzen Predigt zu behalten. Leicht werden Hörer von Gedanken abgelenkt, die sie schon lange beschäftigen. Leicht gehen die Blicke zu anderen Gottesdienstbesuchern und man denkt an die letzte Begegnung, die man mit ihnen hatte. Leicht übermannt die Hörer die Müdigkeit und die Augen fallen zu, weil sie in der vorangegangenen Nacht zu wenig geschlafen haben oder von einer anstrengenden Arbeitswoche erschöpft sind. Weil alle diese Dinge ganz leicht passieren, musst du gegen sie ankämpfen. Denk daran, was du verpasst, wenn du abgelenkt bist. Der Herr von Himmel und Erde richtet sein Wort an dich. In diesem Moment gibt es nichts Besseres, als aufmerksam zuzuhören.

  • Überlege dir, was dich daran hindert, der Predigt aufmerksam zuzuhören – suche den Grund bei dir – und wie du die Ablenkung in Zukunft überwinden kannst.
  • Nimm es nicht einfach hin, dass deine Gedanken beim Zuhören abschweifen. Übe dich darin, dich immer besser auf die Predigt zu konzentrieren.
  • Sorge dafür, dass du ausgeruht bist, um der Predigt aufmerksam folgen zu können.
Liebe, um zu hören!

Der Prediger muss sich darum bemühen, dass sein Handeln nicht sein Verkündigung zunichte macht. Darum soll er ein vorbildliches Leben führen, an dem man sehen kann, dass er seinen Herrn und die Menschen liebt.

Auch dein Verhalten beeinflusst, ob du aus einer Predigt etwas lernen kannst. Wenn du wenig von deinem Prediger hältst, wirst du bestimmt wenig von ihm erhalten. Wenn du dich über ihn geärgert hast, wirst du ihm nicht mit der gleichen Aufmerksamkeit und mit dem gleichen Wohlwollen folgen können, wie wenn er dir eine Freude gemacht hätte. Nun magst du einwenden, dass gerade diese Dinge etwas mit dem Verhalten des Predigers zu tun haben. Wenn du davon ausgehst, dass Gott durch diesen Mann zu dir sprechen will, ist es klug, alles daran zu setzen, dass du ihm zuhören kannst. Sprich ihn an, wenn er dich geärgert hat und schaff die Unstimmigkeit aus der Welt (Epheser 4,26–27; Matthäus 5,23–24).

Sag deinem Prediger, wenn ein Teil seiner Predigt dich besonders ermutigt oder herausgefordert hat. Es ist gut für dich, wenn er weiß, dass er dir helfen konnte. Er wird seinen Dienst mit mehr Freude tun. Von diesem Effekt ist im Hebräerbrief die Rede (Hebräer 13,17): »Gehorcht euren Lehrern und folgt ihnen, denn sie wachen über eure Seelen — und dafür müssen sie Rechenschaft geben –, damit sie das mit Freuden tun und nicht mit Seufzen; denn das wäre nicht gut für euch.«

  • Prüfe, ob deine Haltung, die du deinem Prediger gegenüber hast, der Bibel entspricht (1. Thessalonicher 5,12–13; 1. Timotheus 5,17).
  • Überlege dir, wie du deine Beziehung zu deinem Prediger verbessern kannst (Römer 13,8).
  • Sag deinem Prediger, wenn seine Botschaft dir geholfen hat. Das ist der wahre Lohn für seine Arbeit (1. Timotheus 5,18).

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#16 Die Predigt

Thomas Reiner (*1970) ist verheiratet und Vater von vier Kindern. Er ist Pfarrer der ERKWB Winterthur. In der Ausgabe »#21 Ungewöhnliche Helden« haben wir ein ausführliches Interview mit ihm geführt.

Dieser Artikel ist erstmals in der Printausgabe »#16 Die Predigt« (03/2014) erschienen. Das Heft – mit vielen weiteren Artikeln zum Thema – ist nach wie vor in unserem Shop erhältlich.