Mit den »guten Werken« ist es so eine Sache. Die meisten Religionen legen hohen Wert auf »gute Werke«. Während die einen ein gutes Karma erwerben wollen, um im nächsten Leben nicht als ein »unvorteilhaftes« Tier wiedergeboren zu werden, wollen die anderen am Ende ihres Lebens von sich behaupten können, dass die guten Werke die schlechten überwiegen, um Gnade vor Gott zu finden. Der typische Humanist sieht gute Werke und Taten als einen menschlichen Akt an, der unabdingbar für eine soziale und gerechte Gesellschaft ist. Doch auch viele Christen sehen gute Werke gar als das Hauptziel ihrer Religion an. Soziale Gerechtigkeit und Fürsorge hat Jesus schließlich vorgelebt und dies gilt es nachzuahmen.

Gute Werke sind jedoch nicht gleich gute Werke. Keine Frage, »jeden Tag eine gute Tat« ist für die meisten Menschen ähnlich erstrebenswert, egal woher er kommt, wohin er geht und woran er glaubt. Es gibt jedoch einen massiven und grundlegenden Unterschied zwischen den guten Taten eines Nachfolger Jesu und eines Menschen, der nicht an Gott und sein rettendes Evangelium glaubt. Ich gebe zu, diese Behauptung klingt kontrovers, vielleicht sogar überheblich. Doch wenn wir diese These auf das Fundament der heiligen Schrift gründen, müssen wir ihr eine Chance geben.

Um eines gleich klarzustellen: Natürlich gibt es keinen wesentlichen Unterschied zwischen einem gläubigen oder ungläubigen »Wohltäter« bezüglich der »Wohltat« an sich. Die Qualität der Tat bleibt gleich. Die Fürsorge für einen Obdachlosen oder Drogenabhängigen bleibt in der Qualität gleich (wenn es um materielle Dinge geht), egal ob ein christlich motivierter Missionar oder weltlicher Sozialarbeiter diese ausübt . Das gespendete Geld hat den gleichen Wert, egal wer es gibt. Genauso schmeckt das Wasser aus allen Bechern gleich, egal wer eingeschenkt hat. Doch die Motivation und Bedeutung sind grundlegend verschieden.

Die Frage nach dem Unterschied

Warum ist die Frage nach den »guten Werken« eigentlich so wichtig? Sollten wir gute Werke nicht einfach gute Werke sein lassen? Es kommt doch einfach auf die Tat an oder nicht? Es gibt gute Gründe, die »guten Werke« aus der Perspektive der Bibel zu betrachten. Das Neue Testament legt hohen Wert auf »gute Werke« bei Gläubigen. Sie spielen eine große Rolle in der Nachfolge. Auch in scheinbar bibeltreuen Gemeinden wird oft ein »Moralismus« und »Gutmenschentum« gepredigt, die sich mitnichten mit dem Evangelium vereinen lassen. Während die einen in einer Art moralischen Gesetzlichkeit leben, treten die anderen für eine gerechtere und sozialere Gesellschaft im Namen Jesu ein. Auch können wir das Phänomen beobachten, dass viele »Ungläubige« die »Christen« in den guten Werken vielfach »übertreffen«. Was sagt die Bibel über gute Taten? Und wo ist nun wirklich der Unterschied zwischen den Werken eines Gläubigen und Ungläubigen?

Die Gute-Werke-Waage

Wenn wir hier eine gute Antwort geben wollen, die dem Kanon der Schrift gerecht wird, müssen wir bei dem wahren Menschenbild ansetzen. Jeder, der die absolute Glaubwürdigkeit der Bibel anerkennt, muss letztlich hier beginnen, um die Wertigkeit und wahre Motivation der guten Werke zu erkennen. Das Wort ist sehr klar darin, das eigentliche Wesen des Menschen zu beschreiben. Es besagt, dass es keinen Gerechten unter der Sonne gibt. Es gibt keinen, der Gutes tut (Psalm 14,1; Psalm 53,2.4). In dieser Frage ist die Bibel mehr als deutlich: »Es ist keiner, der verständig ist, der nach Gott fragt. Sie sind alle abgewichen, sie taugen alle zusammen nichts; da ist keiner, der Gutes tut, da ist auch nicht einer!« (Römer 3,8-10). Bemerkenswert, mit welcher Absolutheit Paulus an die Römer schreibt, indem er Begriffe wie »alle«, »nichts«, »keiner« oder »nicht einer« verwendet. Vielleicht gibt es Menschen, die äußerlich gute Taten vollbringen, doch diese haben vor Gott keinen Wert, weil sie vollkommen von Sünde (z.B. Stolz oder Ehrsucht) durchtränkt sind. Schon die erste Sünde im Garten Eden hat ausgereicht, um die »Waage« für alle Menschen auf der »bösen« Seite unaufholbar nach unten ausschlagen zu lassen (Römer 3,23). Es wiegt schwerer als Blei. Würde man nun diese »böse« Seite durch gute Taten aufwiegen wollen, könnte man durch alle guten Werke der Welt dem Blei der »bösen« Seite nicht einmal die leichteste Feder als Gegengewicht entgegensetzen.

Martin Luther brachte es sehr genau auf den Punkt, als er sagte: »Sünder müssen nicht nur von ihren schlechten Taten gerettet werden, sondern auch von ihren verdammniswürdigen guten Werken.«

Gott ist heilig und die »kleinste« Sünde kann er nicht in seiner Gegenwart ertragen oder dulden. Da hilft keine gute Tat mehr. Deshalb sagt die Bibel, dass es keine guten Werke und keinen Gerechten gibt. Es musste einen geben, der das Blei der bösen Seite nicht nur aufwiegt, sondern komplett entfernt, damit man wieder in die Gegenwart Gottes treten konnte. Frei von allem Bösen. Es konnte nur jemand sein, der ohne Sünde ist. Dieser »Jemand« war Jesus, der das perfekte Leben lebte, den stellvertretenden Sühnetod starb und wieder auferstand als Bestätigung, Zeichen und Wirksamkeit seines Werkes. Jedem, der an Jesus glaubt, wird jede Sünde annulliert und vergeben. So wäre, um beim Bild zu bleiben, alles Blei restlos von der Waage entfernt und die »gute Seite« auf ewig mit der Vollkommenheit Christi aufgewogen. Dafür ist kein gutes Werk nötig oder brauchbar. Der schlichte Glaube an Jesus reicht aus (Apostelgeschichte 16,31). Der Gläubige findet also nicht durch gute Werke Eintritt in die ewige Seligkeit, sondern allein durch den Glauben und die Gnade Jesu Christi (Johannes 14,6). Die vier Soli der Reformation verdeutlichen als Antwort auf die katholische Werkgerechtigkeit, wie das Evangelium funktioniert: Allein Christus, allein der Glaube, allein die Gnade, allein die heilige Schrift. Dieses »allein« macht auch deutlich: Allein dies ist nötig, keine gute Tat und kein gutes Werk muss und darf hinzugefügt werden. Der Christ kommt Gott also durch keine guten Taten oder Werke nahe, noch wird er dadurch gerettet. Im Gegenteil unsere Werke sind als sündiges Aufbäumen gegenüber Gott anzusehen. Sie sind teil der Selbstgerechtigkeit gegenüber Gott, ganz nach dem Motto »Ich kann sehr wohl Gutes tun. Dazu muss ich mich nicht vor Gott demütigen oder vor ihm kapitulieren.« Martin Luther brachte es sehr genau auf den Punkt, als er sagte: »Sünder müssen nicht nur von ihren schlechten Taten gerettet werden, sondern auch von ihren verdammniswürdigen guten Werken.«

Gute Werke als Konsequenz

Wie wir bereits gelernt haben, werden wir nicht durch Werke gerettet. Das Wort Gottes geht jedoch noch weiter und behauptet, dass ohne Jesus Christus niemand gute Werke tun kann. Das hieße, dass alle »guten Werke«, die nicht im Namen Jesu geschehen, nicht nur wirkungslos im Bezug auf die Ewigkeit , sondern letztlich auch gar keine guten Werke sind. Jesus sagte einmal: »Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun« (Johannes 15,5). Um es einmal »provokativ« auszudrücken: Die guten Werke eines Gläubigen gehen aus dem Glauben an Christus hervor, werden also durch Gott bewirkt (Philipper 2,13). Die guten Werke eines Ungläubigen gehen aus ihm selbst hervor, werden also von ihm selbst bewirkt und sind deshalb per se (im biblischen Sinne) keine guten Werke (siehe Römer 3,12). Es wäre jedoch falsch, die »guten Werke« der Welt zu verurteilen. Es ist oftmals erstaunlich und respektabel, was Nicht-Christen beispielsweise für die Armen und Benachteiligten dieser Welt bewirken. Doch wie Luther bereits sagte (siehe Zitat oben), muss der Mensch auch von diesen scheinbar guten Werken gerettet werden, um seine völlige Sündhaftigkeit, Belanglosigkeit und Unwirksamkeit vor Gott zu erkennen. Erst dann ist er bereit zu wahrhaft guten Werken, die aus Gott kommen und einen Ewigkeitswert besitzen (Matthäus 6,20).

Die guten Werke eines Gläubigen gehen aus dem Glauben an Christus hervor, werden also durch Gott bewirkt.

Gute Werke aus Gnade

Ferner macht das irrtumslose Wort Gottes, die Bibel, unmissverständlich klar, dass ein bekehrter Mensch gute Werke tut. Nicht, weil er es muss, sondern weil es seine Bestimmung ist. Der Zusammenhang aus Gnade (siehe oben) und guten Werken wird im Epheserbrief deutlicher als sonst irgendwo in der Bibel. Dort schreibt Paulus: »Denn aus Gnade seid ihr errettet durch den Glauben, und das nicht aus euch – Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme« (Epheser 2,8.9). Der Mensch ist also vollkommen unfähig, sich mit Werken zu erretten. Seine Werke sind nichts(!) vor Gott. Allein aus Gnade durch Glauben allein vermögen den Sünder zu erlösen. Noch interessanter wird es, wenn Paulus im Epheserbrief zur obigen Aussage noch etwas hinzufügt: »Denn wir sind seine Schöpfung, erschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen« (Epheser 2,10). Wenn der Mensch an Jesus Christus aus Gnade glauben darf, kann er das tun, was er schon immer sollte: Gute Werke. Gute Werke aus Gott. Gute Werke aus Gott, die Er selbst zuvor bereitet hat. Ja, er hat die guten Werke seiner Erwählten schon seit jeher vorherbestimmt und jede gute Tat in seinem Namen, erfüllt seinen Ratschluss und baut sein Reich (Römer 8,29.30).

Gute Werke: Was nun?

Bist du vielleicht jemand, der gerne Gutes tut, aber vor Gott wegläuft? Vielleicht siehst du dich als Christ, duldest aber beständig die gleichen Sünden in deinem Leben und versuchst, durch »gute Werke« deine Sünden aufzuwiegen und Gott milde zu stimmen. Bedenke, dass die Bibel dieses Model nicht vorsieht. Gute Werke retten dich nicht!

Bist du vielleicht jemand, der voller Heilsgewissheit Christus nachfolgt? Dann bedenke, dass deine Werke wahrhaft aus Gott kommen müssen. Gefallen deine Werke in erster Linie deinem Ego und/oder deiner Umgebung? Oder tust du treu die Werke, die Gott für dich bestimmt hat (und die vielleicht von niemandem gesehen werden)?

Mögen dir die Worte von Jakobus eine Hilfe sein, gute Werke aus der richtigen Motivation heraus zu tun: »Wer aber hinschaut in das vollkommene Gesetz der Freiheit und darin bleibt, dieser Mensch, der kein vergesslicher Hörer, sondern wirklicher Täter ist, er wird glückselig sein ins einem Tun« (Jakobus 1,15).


Vielen Dank für dein Interesse. Unsere Arbeit kannst du durch ein Abo bestmöglich unterstützten – hier abschließen!


Wordpress#12GuteWerke-01

#12 Gute Werke

Peter Voth (*1986) ist als freiberuflicher Grafiker tätig. Als Mitgründer und Mitherausgeber gehört er auch zu den regelmäßigen Autoren von Timotheus. Peter auf Twitter: @petervoth.

Dieser Artikel ist erstmals in der Print-Ausgabe »#12 Gute Werke« (03/2013) erschienen. Das Heft – mit vielen weiteren Artikeln zum Thema – ist nach wie vor in unserem Shop erhältlich.