Auf die Frage »Was muss ich tun, um gerettet zu werden?« hört man bei Evangelisationsveranstaltungen oft den Satz »Du musst nur glauben!« oder »Alles was du tun musst, um gerettet zu werden, ist glauben!«. Die Bibel appelliert an die Verantwortlichkeit des Menschen auch in der Frage des Glaubens. Doch viele Christen bleiben an diesem Punkt stehen. Es stimmt, dass ein Mensch, der nicht an Jesus Christus glaubt und infolgedessen verloren geht, selbst Schuld daran ist. Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Es ist sehr wichtig zu verstehen, dass der rettende Glaube an Jesus Christus, der eine Gabe des Heiligen Geistes ist (1. Korinther 12,9), niemals vom Menschen selbst ausgeht. In dieser Frage ist die Bibel deutlich und unmissverständlich. Wie Schade, dass der Aspekt der Souveränität und Gnade Gottes beim Glauben an Christus in der evangelikalen Welt fast vollständig verschwunden ist.

»Denn aus Gnade seid ihr errettet durch den Glauben, und das nicht aus euch – Gottes Gabe ist es«

Der Glaube kommt nicht aus dir selbst. Jegliche Anstrengung aus eigener Kraft zu glauben, wird keine Errettung, kein Heil und keine bleibende Kraft in dir bewirken: »Denn aus Gnade seid ihr errettet durch den Glauben, und das nicht aus euch – Gottes Gabe ist es« (Epheser 2,8). Glauben ist untrennbar mit Gnade verbunden. Der rettende Glaube wird aus Gnaden verliehen. Wenn jemand an Christus glaubt, dann hat er die unwiderstehliche Gnade Gottes erfahren: »Denn euch wurde, was Christus betrifft, die Gnade verliehen, nicht nur an ihn zu glauben, sondern auch um seinetwillen zu leiden« (Philipper 1,29). Eine »Errettung« ohne das aktive Handeln Gottes, ist keine Errettung, sondern nur ein trüber Schatten, der den Anschein einer Bekehrung hat: »Und die Hand des Herrn war mit ihnen, und eine große Zahl wurde gläubig und bekehrte sich zum Herrn.« (Apostelgeschichte 11,21). Weil Jesus Christus selbst der Anfänger und Vollender des Glaubens ist, wird er einen wirklich wiedergeborenen Menschen bewahren. Ein Glaube, der aus einer Selbsttäuschung und auf Selbstvertrauen beruht wird dagegen verschwinden und niemals zum Ziel führen. Wir können den Kampf des Glaubens nur kämpfen, indem wir allein auf Christus schauen, »den Anfänger und Vollender des Glaubens, der um der vor ihm liegenden Freude willen das Kreuz erduldete und dabei die Schande für nichts achtete, und der sich zur Rechten des Thrones Gottes gesetzt hat.« (Hebräer 12,2)

Es ist die bedingungslose Gnade Gottes, die Glauben an Jesus bewirkt.

Auf Golgatha sehen wir eindrucksvoll, wie Gott in einem elenden Sünder den Glauben bewirkt. Dort hing am rauen Holz Jesus, das Lamm Gottes, das keine Sünde kannte, zwischen zwei Schwerverbrechern. Beide Übeltäter verspotteten Jesus anfangs (Matthäus 27,44; Markus 15,32). Beide waren zurecht für ihre Taten verurteilt worden und beide sahen in unserem teuren Herrn Jesus einen Versager, den sie selbst in ihrer letzten Stunde verschmähten. Es ist die bedingungslose Gnade Gottes, die Glauben an Jesus bewirkt. Es ist die vollkommene Souveränität Gottes und seine unendliche Liebe, die alle Vorstellung übersteigt. Es ist das Handeln Gottes und die Unfähigkeit des Menschen, die uns im Folgenden eindrucksvoll präsentiert werden. Als der eine Übeltäter wieder seinen Hohn über Christus ergoss, erwiderte der andere, der eben noch gespottet hatte: »Fürchtest auch du Gott nicht, da du doch in dem gleichen Gericht bist? Und wir gerechterweise, denn wir empfangen, was unsere Taten wert sind; dieser aber hat nichts Unrechtes getan! Und er sprach zu Jesus: Herr gedenke an mich, wenn du in deiner Königsherrschaft kommst« (Lukas 23, 40-42). Mit dieser Aussage bekannte der Schächer seine Schuld und bewies zugleich seinen Glauben an Christus, indem er erkannte, dass Jesus unschuldig am Kreuz hing und sein Vertrauen ganz auf den Herrn setzte. Der Schächer am Kreuz war davon überzeugt, dass Jesus nach seinem Tod Herr eines zukünftigen Königreichs sein würde. Deshalb wissen wir, dass dieser Übeltäter in Jesus den Sohn Gottes sah und sich infolgedessen an ihn als solchen wandte.

»Während der eine Buße tat, blieb der andere verhärtet; während der eine anfing zu beten, schimpfte der andere weiter; während der eine sich in seinen letzten Stunden bekehrte […]«

In seiner klaren Auslegung dieser Begebenheit schreibt J.C. Ryle in seinem Buch »Seid heilig!« (OT: Holiness): »Wir haben kein Recht zu sagen, dass dieser Übeltäter schlechter war als sein Geselle. Dafür gibt es keinen Beweis. Es ist klar: Beide waren böse Menschen; beide erhielten den angemessenen Lohn für ihre Taten; beide hingen neben unserem Herrn Jesus Christus; beide hörten ihn für seine Mörder beten; beide sahen ihn geduldig leiden. Aber während der eine Buße tat, blieb der andere verhärtet; während der eine anfing zu beten, schimpfte der andere weiter; während der eine sich in seinen letzten Stunden bekehrte, starb der andere als ein schlechter Mensch, so wie er gelebt hatte; während der eine ins Paradies genommen wurde, ging der andere an seinen Ort – den Ort des Teufels und seiner Engel.« (S. 273; Seid heilig!; 3L Verlag).

Der Glaube kommt von Gott.

Du wendest vielleicht ein, dass es ungerecht sei. Der eine hatte Gnade erfahren, der andere nicht. Wir müssen diesen Einwand aus einer anderen Perspektive betrachten. Es wäre vollkommen gerecht, wenn beide Übeltäter in die Hölle kämen. Dass einer gerettet wurde ist nicht etwa Ungerechtigkeit, sondern die Gnade Gottes. Ergreife Christus dann, wenn dir bewusst ist, dass du Christus und seine Vergebung brauchst und ganz auf seine Gnade angewiesen bist. Du kannst nicht Glauben wann und wie du willst. Der Glaube kommt von Gott. Es stimmt, »du musst nur glauben!«, aber der Glaube ist Gnade. Das Evangelium ist kein abrufbarer Service, den du in Anspruch nehmen kannst, wann es dir gefällt – das Evangelium wird dich frei machen wenn es IHM gefällt. »Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist jeder, der aus dem Geist geboren ist.« (Johannes 3, 8)


Peter Voth (*1986) ist freiberuflicher Grafiker und leitender Redakteur von Timotheus.

Titelbild von Joshua Earle.

Dieser Artikel ist erstmals in der Ausgabe »#2 Glaube« (1/2011) erschienen. Der Text wurde leicht angepasst und bearbeitet. Das Heft – mit vielen weiteren Artikeln zum Thema – ist bereits vergriffen, kann jedoch gratis online gelesen werden. Entdecke weitere Ausgaben zu grundlegenden Themen des christlichen Glaubens in unserem Archiv.

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