Verwirklicht eure Rettung mit Furcht und Zittern; denn Gott ist es, der in euch sowohl das Wollen als auch das Vollbringen wirkt nach seinem Wohlgefallen. (Philipper 2,12-13)

Diese Verse werden meines Erachtens oft missverstanden. Gott schafft in uns das Wollen und Vollbringen. Doch warum sollen wir deshalb unsere Rettung mit Furcht und Zittern verwirklichen? Heißt das, wir sollen uns als seine Kinder davor fürchten, was er uns antun könnte, wenn wir ihm missfallen? Dass wir vor den Konsequenzen unserer Taten zittern sollen? Während ein solches Verständnis diesen Versen durchaus nachklingt, müssen wir unser Augenmerk auf etwas weitaus bedeutenderes richten.

1. Johannes 4,18 beantwortet uns diese Fragen und zeigt uns gleichzeitig, wie wir diese Aussage zu verstehen haben: »Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus, denn die Furcht hat mit Strafe zu tun; wer sich nun fürchtet, ist nicht vollkommen geworden in der Liebe.« Furcht ist nicht in der Liebe. Was uns Philipper 2,12.13 also sagen will ist: Zittere nicht in erster Linie davor, was dir dein himmlischer Vater antun könnte, sondern zittere viel mehr vor dem Gedanken, dass du mit deinem Tun den guten Geist Gottes, der in dir seine Liebe offenbart hat, verletzen könntest.

Dieser Gedankengang ist sehr leicht nachzuvollziehen, indem wir uns eine zwischenmenschliche Beziehung anschauen. Wenn wir in der Gegenwart einer Person sind, die wir sehr lieb haben, ist es dann nicht so, dass unser Herz zittert und wir zurückweichen vor dem Gedanken, diese Person in irgendeiner Weise zu verletzen? Und diese Furcht – dieses Zittern – drängt uns stattdessen dazu das zu tun, was die uns verbindende Liebe würdigt, weil wir den Gedanken nicht ertragen können, sie zu zerstören. Und in der gleichen Furcht, in dem gleichen Zittern, sollen wir die Liebe würdigen, die uns mit Christus verbindet.

Weil es Gott ist, der in uns wirkt, werden wir dazu aufgerufen eine geistliche Empfindsamkeit zu entwickeln, ein geistliches Feingespür für die Aktivitäten des Geistes in uns und in anderen. »Zerstöre nicht das Werk Gottes mit deinem groben Auftreten« heißt es sinngemäß in Römer 14,20. Ich hoffe wir erkennen dadurch, dass das was wir tun keine Gesetzlichkeit ist, keine Formalität und auch kein Akt der Selbstgerechtigkeit. In dir und in mir ist jemand, ein Freund, der uns sehr kostbar ist – wir nennen ihn auch den Heiligen Geist. Diesen Freund wollen wir nicht verletzen, weil er uns unablässig sein Liebe zeigt, indem er in uns wirkt und uns so in das Ebenbild Jesu umgestaltet.

Doch Liebe braucht Zeit. Aber wir müssen auch bereit sein diese Zeit zu investieren. Christus erkennen, heißt sich mit Christus zu beschäftigen. Nur so werden wir eine geistliche Empfindsamkeit für seine Liebe entwickeln. Wir müssen erkennen, wie groß derjenige ist, der sich eine Wohnung in unseren Herzen bereitet hat.

Als Gott die Schöpfung vollendet hatte, unterschrieb er sein Werk mit den Worten ›sehr gut‹. Adam und Eva waren in einer vollkommenen Umgebung – keine Schmerzen, keine Tränen und auch kein Tod. Und dann begeht Adam einen Fehler und Gott schlägt die gesamte Schöpfung mit einem Fluch, der die Welt für tausende und abertausende von Jahren in einen miserablen Ort verwandelt – voller Krankheit, Schmerzen, Tränen und Wehklagen. Viele gehen hin und sagen: Da hat Gott aber überreagiert. Doch das hat er nicht. Und wir können unser Leben mit unseren klugen Sprüchen verbringen, oder wir nutzen die Zeit dafür unsere Seele in Einklang zu bringen mit der Pracht, Schönheit und Herrlichkeit des einen Gottes, der so erhaben ist, dass eine einzige Beleidigung seiner Majestät es rechtfertigte die gesamte Schöpfung zu verfluchen.

Und das ist nur die Spitze des Eisberges. Denn um seine Liebe zu uns zu offenbaren, kam er herab auf diese Erde, nahm die Gestalt des fluchbringenden Menschen an, und als solcher ging er freiwillig an das Kreuz, um das zu erleiden was uns zugesprochen war, damit wir für alles Ewigkeit bei ihm sein können. Und wir, die wir gläubig sind: dieser Geist ist es, der in uns wirkt. Seine Liebe ist es wert dafür zu zittern.


Andreas Kuhlmann (*1984) ist Mit-Gründer, Mit-Herausgeber und Autor von Timotheus.

Dieser Beitrag wurde exklusiv für diesen Blog verfasst.

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