Der Apostel Petrus schreibt in seinem ersten Brief an die Gläubigen folgende Worte: »Denn dazu seid ihr berufen, weil auch Christus für uns gelitten und uns ein Vorbild hinterlassen hat, damit ihr seinen Fußstapfen nachfolgt« (1. Petrus 2,21).

Die Nachfolger Christi sind berufen, in den Fußstapfen Jesu zu wandeln. Er hat uns ein Vorbild hinterlassen und wir sind verpflichtet, ihn nachzuahmen. Es stellt sich die Frage: »In wieweit sollten wir in die Fußstapfen Jesu treten bzw. sein Vorbild nachahmen?« Jesus selbst war dem himmlischen Vater gehorsam bis zum Tode am Kreuz. Sollte unsere Nachfolge und Hingabe an Jesus soweit gehen, dass wir sogar den leiblichen Tod in Kauf nehmen? Ist es nicht zu extrem, derartiges von einem Nachfolger zu verlangen? Sagt nicht Jesus selbst zu seinen Jüngern: »Ich bin gekommen, dass sie Leben haben im Überfluss« (Johannes 10,10). Wie kann Gott so hohe Kosten in der Nachfolge verlangen?

Im Kontext des Petrusbriefes ist ersichtlich, dass Kränkungen und Unrecht leiden für Gutes tun gemeint sind. Auf der Arbeit stoßen beispielsweise manchmal Ehrlichkeit, Fleiß, Treue und Hilfsbereitschaft nicht unbedingt auf Hochachtung, sondern eher auf Neid, Verachtung und Verleumdungen. Christen müssen bereit sein, diese Kosten zu tragen.

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Jan Hus auf dem Konstanzer Konzil (1414)

Abhängig vom kulturellen oder sozialen Umfeld in dem sich der entschiedene Christ befindet, kann das Leiden weit über das oben gesagte hinausgehen. Das bloße Bekenntnis zu Christus kann in manchen Ländern unweigerlich zum Tod führen. Diese Gefahren und Leiden werden durch Petrus nicht ausgeschlossen. So manch einer musste sehr hohe Kosten bezahlen, weil er Jesus die Treue hielt.

Jesus selbst sagt zu seinen Jüngern: »Und wer nicht sein Kreuz nimmt und mir nachfolgt, der ist meiner nicht « (Matthäus 10,38). Menschen der damaligen Zeit hatten genaue Vorstellungen davon, was es heißt das Kreuz auf sich zu nehmen und Jesus nachzufolgen. John MacArthur schreibt darüber: »Der Perserkönig Darius kreuzigte dreitausend Babylonier. Alexander der Große kreuzigte zweitausend Einwohner der Stadt Tyrus. Alexander Janius kreuzigte achthundert Pharisäer, während vor ihren Augen ihre Frauen und Kinder von Soldaten abgeschlachtet wurden […] Als Jesus sagte, dass seine Jünger ihr Kreuz aufnehmen müssen, hatte das für seine Zuhörer nur eine Bedeutung: bereitwillig damit zu rechnen, für ihn sterben zu müssen«.

Nachfolge kann tatsächlich für den einen oder anderen bedeuten, das Leben für Jesus zu geben. Christ zu sein läuft aber nicht zwangsläufig darauf hinaus, ein Martyrium zu erleiden.

An dieser Stelle schauen wir uns eine Person aus der Geschichte an, die ihre Nachfolge mit dem Leben bezahlen musste: Jan Hus. Wahrscheinlich ist er um das Jahr 1369 in Böhmen (liegt im Westen der heutigen Tschechischen Republik) geboren. An der Universität in Prag absolvierte Hus ein Studium in Kunst und Theologie. Im Jahre 1400 wurde er Priester in der Prager Bethlehemkirche und predigte dort regelmäßig in tschechischer Sprache, was zur damaligen Zeit sehr ungewöhnlich war, da die meisten Gottesdienste in Latein abgehalten wurden.

Aufgrund der Vermählung der Prinzessin Anna mit König Richard II. von England bestand eine Brücke zwischen England und Böhmen. Diese Verbindung nutzten böhmische Studenten um in Oxford zu studieren. Dort wurden sie mit den Lehren Wycliffs vertraut und maßgeblich von diesen beeinflusst. In Prag wird auch Hus von diesen Lehren geprägt: »Er wird von ihnen so stark geprägt, dass seine eigenen Schriften fast nur wörtliche Auszüge seines englischen Vorbildes sind«. Durch diese Theologie aus England entstehen große Spannungen in der Prager Gesellschaft. Viele Menschen vertreten die Lehren von John Wycliff, die den reformatorischen Lehren sehr stark ähneln. Dabei erfährt Hus viel Unterstützung. Andere aber, wie der Erzbischof Sbynko und der Papst Johannes XXIII. leisten Widerstand, verbieten Hus die Kanzel und verhängen über ihn sogar die Exkommunikation. In dieser Zeit wird Sigismund König des deutschen Reiches. Er lädt Jan Hus vor das Konstanzer Konzil.

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Jan Hus auf dem Gang zum Scheiterhaufen (1415)

Auf dem Weg dorthin wird Hus von vielen Deutschen freundlich aufgenommen und beherbergt, obwohl er sich zuvor nicht gerade als Freund der deutschen erwiesen hatte. In der Wohnung in Konstanz empfängt er viele Freunde und Bewunderer. Das ärgert den Papst, so dass dieser ihn durch eine List gefangen nehmen lässt. Da das der Kaiser Sigismund erfährt, empört er sich sehr und fordert eine sofortige Freilassung. Doch Hus wird nicht freigelassen, sondern nach vielen Tagen schrecklicher Haft mit Fesseln, bei schlechter Ernährung und Krankheit vor das Konstanzer Konzil gebracht, um sich verteidigen zu können. Sobald er den Mund zur Verteidigung öffnet, schreien die Menschen so laut, dass man seine Rede nicht verstehen kann. Schweigt er aber, dann wird das als Zeichen des Eingeständnisses gewertet. Es gelingt den Klägern nicht, ihn zum Widerruf seiner Lehren wider den Papst und Kirche zu bewegen. Am 16. Juli verurteilt das Konzil Hus, stößt ihn aus der Kirche und überliefert ihn einem weltlichen Strafgericht. Noch bis zum Schluss erhält er die Gelegenheit, seine Lehren zu widerrufen. Der einfache Widerruf hätte wohl den „Gewinn“ seines Lebens bedeutet.

Gut dokumentierte Zeugenberichte erlauben einen Blick in das Innere des bewussten Nachfolgers Hus, der Christus nicht verleugnen konnte und sich voller Freude dem Tod hingab:

»Welche Fehler soll ich widerrufen«? fragte Hus, »ich bin mir keiner bewusst. Gott ist mein Zeuge, dass alles was ich geschrieben und gepredigt habe, war zum Ziel, Seelen von der Sünde und dem Verderben zu retten; und deshalb will ich freudig mit meinem Blut diese Wahrheit bestätigen, die ich schrieb und predigte«.

»Auf dem Richtplatz wird er mit einer Kette an den Pfahl gebunden. Seine Füße stehen auf einem Schemel. Noch einmal betet er: Jesus Christus, Sohn des lebendigen Gottes, der für uns gelitten hat, erbarme dich meiner. Eine Beichte lehnt er ab. Dann wird Holz und Stroh um ihn geschichtet und der ganze Haufen mit Hilfe von Pech angezündet. Er stirbt mit lauter Stimme singend und das Glaubensbekenntnis «.

In der Kirchengeschichte mussten viele Christen ihre Nachfolge mit dem Tode bezahlen, wie Hus. Er ging als Sieger, singend und betend in die Ewigkeit hinüber. Hus kann unzweifelhaft als ein radikaler Nachfolger angesehen werden. Doch wie ist es möglich in einer westlichen Wohlstandsgesellschaft im 21. Jahrhundert radikal für Christus zu leben? Lasst uns in jeder Lebenslage für die Wahrheiten des Evangeliums eintreten, sowie Hus es getan hat. Lasst uns unser Ansehen und unsere Stellung um Christi Willen verlieren, indem wir Christus bezeugen wenn es Ihn zu bezeugen gilt. Lasst uns unsere irdischen Lebenskonzepte die eine radikale Nachfolge beeinträchtigen, über Bord werfen. Lasst uns nicht fragen, wo und wie wir für Christus einstehen können, sondern lasst es uns tun, wenn es darauf ankommt. Hus war ein leuchtendes Beispiel. Ein Zitat aus Sierszyns Kirchengeschichte verdeutlicht Hus Einstellung zum rechten Glauben, den er nicht verleugnen konnte:

»Nicht der Ungehorsam gegenüber Jesus Christus, sondern der Ungehorsam gegenüber Papst und Hierarchie bringt die beiden an den Marterpfahl«


#1 Nachfolge

#1 Nachfolge

Viktor Sudermann gehört als Mit-Gründer zum Herausgeberkreis von Timotheus.

Dieser Artikel ist erstmals in der Onlineausgabe »#1 Nachfolge« (01/2010) erschienen. Das Heft – mit vielen weiteren Artikeln zum Thema – kann kostenlos online abgerufen werden.