Wie kann ein Mann vor Gott richtig leben? Was macht einen gottesfürchtigen und frommen Lebensstil aus? In den Timotheusbriefen gibt der Apostel Paulus hierzu pastorale Anweisungen an Timotheus .

Was bedeutet »Gottesfurcht« bzw. »Gottseligkeit«? Das griechische Wort »Eusebeia« setzt sich aus zwei Worten zusammen. »eu« (= gut) und »sebomai« (= hingegeben sein). In hellenistisch-römischer Zeit wurde »Eusebeia« für die mit innerer Beteiligung vollzogene Verehrung der Götter oder die ehrfurchtsvolle Haltung zu den Ordnungen des Lebens gebraucht.[1] Diese Haltung wird in den Timotheusbriefen sehr deutlich. Gottesfurcht ist eine auf Gott ausgerichtete, respektvolle Denkweise, Einstellung und Art der Lebensführung.[2]

Der Begriff »gottselig« hat aber noch eine weitere Bedeutungsnuance. Darin ist das Wort »selig« enthalten. »Selig« hat neben »erlöst« eine weitere Bedeutung im Deutschen. Das Wort kommt aus dem Germanischen und bedeutet auch »sehr glücklich, gut, wohl, ohne Wunsch, zufrieden, froh«.[3]

Timotheus bekommt die göttlichen Anweisungen seines geistlichen Vaters nicht, um eine distanzierte Haltung der Ehrfurcht vor dem unnahbaren Gott einzunehmen. Im Gegenteil, Timotheus soll aufgrund echter Überzeugungen das Richtige, Gute, glücklich Machende im Leben und seinem Dienst tun. Er soll sich in der personalen Beziehung zu dem heiligen, allmächtigen und allgegenwärtigen Gott durch Jesus Christus erfreuen und darin glücklich leben.

Ein positives Verständnis der Gebote Gottes

»Das Endziel der Weisung aber ist Liebe aus reinem Herzen und gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben« —1. Timotheus 1,5

Es ist fundamental wichtig, eine positive und wohlwollende Sicht über die Gebote Gottes zu haben. Der gottesfürchtige Mann versteht sie nicht als Einschränkung – das sind sie natürlich auch – sondern als Schutz. Wir brauchen eine durchdachte, überzeugende, substanzielle und verlässliche Grundlage, eine Schutzmauer für unseren persönlichen Glauben (1. Timotheus 1,18-19).

Weil Gott heilig ist und uns zur Heiligkeit berufen hat, wollen wir heilig leben und seine Herrlichkeit reflektieren. Weil er gerecht ist, wollen wir der Gerechtigkeit nachstreben. Weil er gütig und barmherzig ist, wollen wir barmherzig und gütig sein. Weil er liebt, lieben wir. Weil er treu ist, wollen wir treu sein. Wir wollen mit dieser souveränen Sicht von Gott vor Ihm ehrfürchtig leben, weil es logisch und vernünftig ist. Wir wollen „fromm“ leben, weil es Gottes Art entspricht.

Eine gottesfürchtige Sicht für die Welt

Ich ermahne nun vor allen Dingen, dass Flehen, Gebete, Fürbitten, Danksagungen getan werden für alle Menschen, für Könige und alle, die in Hoheit sind, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit (1. Timotheus 2,1-2).

Der fromme Mann hat eine klare Sicht für die gottlose Umgebung. Er sieht sie nicht als Hindernis, sondern als Herausforderung. Er hat die Rettungsperspektive des Evangeliums vor Augen und ist im Bewusstsein der Not in der Welt von dieser heiligen Gottessicht hoch motiviert zu kontinuierlichem Gebet. Dieses Verständnis prägt seine Aktivitäten.

Simultan dazu hält der gottselige Mann seine Gedanken und seine Phantasie von Sünde rein und lebt in der Vergebung des Christus. Wenn er gefallen ist, steht er wieder auf (Sprüche 24,16). Er ist seinem Herrn Jesus Christus ehrfürchtig und demütig verpflichtet, er unterstellt sich ihm gerne. Als gottesfürchtiger Mann lebt er so, dass er jederzeit persönlich, in der Familie und öffentlich in der Gemeinde, zum Gebet bereit ist (1. Timotheus 2,8).

Eine gottesfürchtige Lebensgrundlage

»Wenn jemand anders lehrt und sich nicht zuwendet den gesunden Worten unseres Herrn Jesus Christus und der Lehre, die gemäß der Gottseligkeit ist […]« —1. Timotheus 6,3

Der gottesfürchtige Mann denkt sich sein Lebensmodell nicht selbst aus. Sein Denkfundament und seine Verhaltensmuster entsprechen einer biblisch-theologischen Grundlage. Die Herrlichkeit des Christus ist Grundlage und Antrieb zu einem gottesfürchtigen Verhalten. Die vor Gott richtige und gesunde Art der Lebensführung hat Christus und seine Interessen auf Grundlage einer klaren biblisch-theologische Basis im Zentrum (1. Timotheus 3,16).

Was verändert denn unseren Charakter? Oder anders gefragt, was ist dieses ›Geheimnis der Gottseligkeit‹? Es ist das Anschauen der Herrlichkeit der einzig gültigen Offenbarungsautorität von Gott in dem Gott-Menschen Jesus Christus (Johannes 1,14).

Gesunde Lehre wird an der Person Jesus Christus gemessen. Hierfür ist sein Wort der Maßstab. Gute biblische Lehre führt, wenn sie richtig verstanden wird, immer zu einem demütigen und gottesfürchtigen Lebensstil (Titus 1,1).

Was bedeutet das? Es bedeutet, dass das Vertrauen in die Inspiration, Irrtumslosigkeit und Unfehlbarkeit der Heiligen Schrift zu dem soliden Fundament gehören, das den Dienst unseres Herrn Jesus Christus (Matthäus 5,17ff) und den seiner Jünger geprägt hat.

Deswegen schreibt der Apostel Paulus an Timotheus: »Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes richtig sei, für jedes gute Werk ausgerüstet« (2. Timotheus 3,16).

Darum müssen wir, wenn wir gottesfürchtige Männer sein wollen, Männer des ernsthaften, betenden und eifrigen Umgangs mit diesem Buch sein. Wir wollen, wie Esra unser Herz darauf richten »das Gesetz des Herrn zu erforschen und zu tun und… zu lehren« (Esra 7,10). Nur so kann geistlich substanzielles und erfülltes Leben persönlich, in der Ehe, Familie und Gemeinde entstehen und dauerhaft erhalten bleiben.

Einen gottesfürchtigen Lebensstil einüben

Die unheiligen und altweiberhaften Fabeln aber weise ab, übe dich aber zur Gottseligkeit; denn die leibliche Übung ist zu wenigem nütze, die Gottseligkeit aber ist zu allen Dingen nütze, weil sie die Verheißung des Lebens hat, des jetzigen und des zukünftigen (1. Timotheus 4,7-8).

Es gibt viele interessante, aber sekundäre, Aktivitäten im Leben. Das gilt für unsere Freizeitgesellschaft mehr denn je. Damals waren es für die gebildeten jüdischen Männer vielleicht rabbinische Geschichten und Mythen[4], ohne Relevanz und geistliche Substanz für ein gottesfürchtiges Leben. Heute verbringen wir viel Zeit mit peripheren Tätigkeiten im Internet, Facebook, Computerspielen, Bundesliga oder Fernsehen, die einem gottesfürchtigen Lebensstil eher schädlich als förderlich sind.

Wir sollten unsere Freizeitaktivitäten und Prioritäten immer wieder der Sinnfrage unterordnen. Natürlich gibt es sekundäre Aktivitäten, z.B. Sport, den wir zusammen mit Freunden treiben können, um Gemeinschaft zu pflegen, um das – in unserer bewegungsarmen Zeit – erforderliche und gesunde Mindestmaß an Bewegung zu erreichen oder um Kontakte auch mit Nichtchristen zu pflegen. Dann sind diese Aktivitäten mit Recht einem höheren Ziel untergeordnet.

Das Bild in Vers 8 will uns deutlich machen, dass hartes Training in einer sportlichen Disziplin nur einen irdisch beschränkten Wert besitzt, während ein Training in geistlichen Aktivitäten zeitlichen und ewigen Wert hat.[5]

Weil Gott und sein Wort der zentrale Punkt in unserem Leben ist, brauchen wir entsprechend geheiligte (=besondere) Übungseinheiten für die Alltagswirklichkeit, die zur Gewohnheit werden und uns so helfen die Trägheit unserer sündigen Natur zu überwinden. Seinem Volk hat Gott die klare Anweisung gegeben, die Gebote bei allen Gelegenheiten zu rezitieren (5. Mose 6,4-6), um sie so ständig im Gedächtnis abrufbereit zu haben.

Der große Denker und Theologe Amerikas, Jonathan Edwards, war von dieser Sehnsucht nach Gott geprägt. Er schrieb:

»Ich hatte eine ungemein starke Sehnsucht der Seele nach Gott und Christus, nach weiterer Heiligung, wovon mein Herz so erfüllt zu sein schien, dass es brechen wollte. Das erinnerte mich häufig an die Worte des Psalmisten (Psalm 119,20): Zermalmt ist meine Seele vor Verlangen nach deinen Rechten zu aller Zeit.«[6]

Lieber Bruder, arbeite an guten Gewohnheiten, sei diszipliniert bei deiner Zeiteinteilung, setze klare Prioritäten. In der Schule, im Studium und im Beruf sei mit allem Ernst und Fleiß bemüht, Gott zu gefallen. Das gehört auch zur Gottesfurcht! Deine Freizeit, der regelmäßige Tagesablauf, Abend und Morgen, den Samstag und die Heiligung des Sonntags kannst du intelligent nutzen, um das Höchstmaß an Zufriedenheit zu erreichen, wenn Gott und sein Wort an erster Stelle stehen.

Wenn diese freudige Sehnsucht nach Gott dein Antrieb ist, wird es dir nicht zu viel sein, täglich fortlaufend in einem oder zwei Jahren die ganze Bibel zu lesen. Es wird keine Mühe, sondern Genuss und Erfüllung für dich sein in den dunklen Morgenstunden, noch vor Sonnenaufgang im Gebet vor Gott und im Lesen seines Wortes die erste Stunde des Tages zu verbringen, wie es in Psalm 119,147-148 steht: »Der Morgendämmerung bin ich zuvorgekommen und habe um Hilfe gerufen. Auf deine Worte habe ich gehofft. Meine Augen sind den Nachtwachen zuvorgekommen, um nachzudenken über dein Wort.« So hat es auch unser Herr und Meister gemacht: »…frühmorgens, als es noch sehr dunkel war, stand er auf und ging hinaus und ging fort an einen einsamen Ort und betete dort« (Markus 1,35).

Tue zuerst das, was wirklich wichtig ist und was Relevanz in Ewigkeit hat. Wenn du ein Mann des Wortes, ein geheiligter Ehemann, guter Familienvater, vorbildlicher Führer und treuer Diener Jesu Christi sei willst, wird dieses tägliche Training in der Stille vor Gott deine Kraftquelle sein. Du wirst am Morgen mit Verlangen nach lebendigen Worten aufstehen und am Abend die Augen im Nachsinnen über sein Wort schließen.

Ein gottesfürchtiges Vergnügen

»Verräter, unbesonnen, aufgeblasen, mehr das Vergnügen liebend als Gott, die eine Form der Gottseligkeit haben, deren Kraft aber verleugnen. Und von diesen wende dich weg« —2.Timotheus 3,4-5

Die meisten jungen Menschen in den Gemeinden leben angepasst an unsere Spaß- und Freizeitgesellschaft. Rockmusik wird gedankenlos konsumiert. Jeder Anlass ist willkommen, um eine Party zu feiern. Der unkritische Konsum von Spielfilmen scheint selbst bei christlichen Jugendgruppen zur regelmäßigen Beschäftigung an den Wochenenden zu gehören. Wer kann denn schon nach einer Party bis spät in die Nacht am frühen Morgen konzentriert die Bibel lesen und nachdenken über Gottes Wort?

Der gottesfürchtige, das wirkliche Vergnügen suchende Mann dagegen, wird sein Glück und seine Lust in einsamen Studien- und Gebetszeiten mit Gottes Wort suchen. Psalm 1,1-2 zeigt uns den Weg zum glücklich Sein: »Glücklich der Mann, der nicht folgt dem Rat der Gottlosen, den Weg der Sünder nicht betritt und nicht im Kreis der Spötter sitzt, sondern seine Lust hat am Gesetz des Herrn und über sein Gesetz sinnt Tag und Nacht!«

Ein gottesfürchtiger Umgang mit Geld und materiellen Dingen

»Die Gottseligkeit mit Genügsamkeit aber ist ein großer Gewinn; denn wir haben nichts in die Welt hereingebracht, so dass wir auch nichts hinausbringen können« —1. Timotheus 6,6-7

Echtes Mannsein und wirkliche Stärke wird eben nicht durch rauschende Motoren und luxuriöse Markenkleidung definiert, sondern durch ein gereinigtes, für Gott geheiligtes Herz. Der gottesfürchtige Mann lässt sich von irdisch-vergänglichen Dingen nicht blenden. Er gebraucht diese Dinge im Leben weise und Gott zur Ehre. Er richtet seinen Fokus auf die innere Attraktivität, er kümmert sich darum, wie er Gott gefallen und das ihm anvertraute Kapital, sein Leben, seine Gaben und seine Zeit vernünftig vor Gott zu seiner Ehre einzusetzen kann.

Der von Gottes heiligem Geist geprägte Mensch weiß um die verhängnisvolle und zerstörerische Wirkung des Materialismus und wird sich deswegen mit aller Kraft, Energie, Hingabe und Überzeugung davon distanzieren (1. Timotheus 6,11).

Aufgrund der Erkenntnis der Einzigartigkeit und Herrlichkeit Jesu Christi werden der geistliche Charakter und die geistlichen Tugenden der Bezugspunkt für das heilige und disziplinierte Streben des gottesfürchtigen Mannes sein, wie es in 2.Petrus 1,5-7 steht: »eben deshalb wendet aber auch allen Fleiß auf und reicht in eurem Glauben die Tugend dar, in der Tugend aber die Erkenntnis, in der Erkenntnis aber die Enthaltsamkeit, in der Enthaltsamkeit aber das Ausharren, in dem Ausharren aber die Gottseligkeit, in der Gottseligkeit aber die Bruderliebe, in der Bruderliebe aber die Liebe!«

Gottesfurcht mit Konsequenzen

»Alle aber auch, die gottesfürchtig leben wollen in Christus Jesus, werden verfolgt werden« —2. Timotheus 3,12

Schließlich strebt der gottesfürchtige Mann nicht nach gesellschaftlicher Anerkennung, sondern danach, als ein Sklave Jesu Christi (Röm 6,16), als ein Arbeiter und Diener mit Freude zur Ehre seines Herrn zu leben. Der Psalmschreiber stellt uns in Psalm 119,9 eine Frage und gibt zugleich die Antwort: »Wodurch hält ein Jüngling seinen Pfad rein? Indem er sich bewahrt nach deinem Wort.«

[1] Kittel: Theol. Wörterbuch zum NT, Kohlhammer Stuttgart, Bd. VII, S. 177

[2] Vine`s Expository Dictonary of New Testament Words, Hendricksen, S. 502

[3] DBG Lexikon der deutschen Sprache, Berlin

[4] Was die Bibel lehrt, Kommentar zum NT, 1.Timotheus, CV Dillenburg 1989

[5] Was die Bibel lehrt, Kommentar zum NT, 1.Timotheus, CV Dillenburg 1989

[6] Murray, Iain H.: Jonathan Edwards CLV Bielefeld 2011, S. 74


Hans-Jürgen Holzmann

Titelbild von Saeed Mhmdi

Dieser Artikel ist erstmals in der Printausgabe »#5 Gottesfurcht« (04/2011) erschienen. Das Heft – mit vielen weiteren Artikeln zum Thema – ist leider ausverkauft, kann aber über die Infoseite kostenlos online gelesen werden. Entdecke weitere Ausgaben zu grundlegenden Themen des christlichen Glaubens in unserem Archiv.