Wenn du etwas über den neuen Papst Franziskus wissen solltest, dann ist es das: er ist der »demütige Papst«. Seit dem Tag seiner Wahl wurde er für seine Demut hochgelobt. Ein kürzlich von der Washington Post veröffentlichter Artikel, der den Papst für seine demütigen Werke lobt, ist dafür repräsentativ:

»Mit einem demütigen Akt nach dem anderen, hat Papst Franziskus im Verlauf der letzten zwei Wochen gezeigt, dass er mit alten Traditionen zu brechen gewillt ist. Kurz nachdem er zum Pontifex ernannt wurde, bat er, dass die Gläubigen für ihn beten sollen – nicht umgekehrt. Er hat es abgelehnt sich auf das für den Papst übliche Podest, erhöht über den anderen Erzbischöfen, zu stellen und kleidet sich mit bescheideneren Gewändern als seine Vorgänger. Er hat es sich zur Gewohnheit gemacht die Verlockungen des Reichtums, die seine Position mit sich bringt, zu meiden. Angefangen von selbst bezahlten Hotelrechnungen, bis hin zum Verzicht auf das palastartige Apartment, in dem Päpste gewöhnlich lebten, um sich stattdessen in eine einfache Behausung einzuquartieren.«

Am Gründonnerstag ist es Tradition, dass der Papst die Füße von einem Dutzend Menschen wäscht. Doch wo Päpste traditionell die Füße von Priestern wuschen, zog es Franziskus vor, die Füße von zwölf Gefängnisinsassen zu waschen. Solche Taten decken sich auch mit seinem Vermächtnis in Argentinien, wo er dafür bekannt war in der Touristenklasse zu fliegen, statt in der ersten Klasse und die öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen, um zwischen seinem Haus und seinem Büro zu reisen. Das sind die Taten, die sich als so anziehend erwiesen haben und die in einem starken Kontrast zu seinen Vorgängern stehen.

Was ist Demut? »Demut besteht«, um es mit den Worten Wayne Macks zu sagen, »aus einer Haltung, worin wir unsere eigene Geringfügigkeit und Unwürdigkeit vor Gott erkennen und Ihm alleinigen Ruhm, Lob, Vorrecht, Anspruch, Privileg, Anbetung, Hingabe, Autorität, Ehrerbietung und Gehorsam zusprechen. Er allein verdient es. Das beinhaltet auch eine natürliche und gewohnheitsmäßige Veranlagung in einer Weise zu denken und zu handeln, so dass diese Haltung angemessen zum Ausdruck kommt.« Mack kommt direkt zum Herz der Demut, indem er aufzeigt, dass Demut zuerst vor Gott ausgedrückt werden muss, bevor wir sie vor Menschen zum Ausdruck bringen können. Demut vor anderen Menschen muss aus der Demut vor Gott entstehen. Wenn wir im Grunde stolz sind vor Gott, dann können wir nicht demütig sein vor Menschen.

So wie jeder von uns, kann auch Papst Franziskus nur dann wirklich demütig sein, wenn er zuerst Gott »alleinigen Ruhm, Lob, Vorrecht, Anspruch, Privileg, Anbetung, Hingabe, Autorität, Ehrerbietung und Gehorsam, die nur er allein verdient«, zuspricht. Dennoch stehlen römisch-katholische Lehren, insbesondere Lehren über das Papsttum, von dem Ruhm, Vorrecht, Anspruch und der Autorität Jesu Christi und sprechen sie stattdessen dem Papst zu. Per Definition und anhand der katholischen Dogmen ist Franziskus kein demütiger Papst.

Der Stellvertreter Christi

Der fundamentalste Anspruch hinsichtlich des Papstes lautet nach dem Katechismus der römisch-katholischen Kirche, dass er der Stellvertreter Christi ist. »Der römische Bischof hat Kraft seines Amtes als Stellvertreter Christi und Hirte der ganzen Kirche, die volle, höchste und allgemeine Vollmacht über die Kirche, die er immer frei ausüben kann.« Ein Stellvertreter ist ein Ersatz, was nach James White bedeutet, dass der Papst »an Christi statt als irdisches Oberhaupt der Kirche fungiert, so wie Christus das himmlische Oberhaupt ist«. Der Papst beansprucht Christi Repräsentant auf Erden zu sein, um über die Kirche zu herrschen. Jedoch senkt ein solcher Anspruch die Rolle des Heiligen Geistes herab, denn er ist der Geist dem Christus seine Gemeinde anvertraut hat. Wie White weiter sagt, »die Wahrheit in dieser Angelegenheit ist, dass die Rolle des Heiligen Geistes durch die Hierarchie der Kirche übernommen wurde und das jeder einzelne Christ hinsichtlich seiner ewigen Errettung dieser Autorität unterworfen ist«. Papst Franziskus verkündigt, dass er Christi Stellvertreter auf der Erde ist und dass er, wie Christus, die höchste und freie Vollmacht auf der Erde hat. Der demütige Papst muss seinen blasphemischen Anspruch auf oberste Gewalt widerrufen und die Menschen stattdessen in die Obhut des Heiligen Geistes führen.

Unfehlbarkeit

Von der römisch-katholischen Kirche wird dem Papst Unfehlbarkeit, die Unmöglichkeit sich zu irren, zugesprochen, »wenn er Kraft seines Amtes, als oberster Hirte und Lehrer aller Christusgläubigen, eine Lehre über den Glauben oder die Sitte in einem endgültigen Akt verkündet. Die Gläubigen müssen solchen Definitionen mit Glaubensgehorsam anhangen«. Im Grunde lehrt diese Doktrin, das Gott uns einen Vertreter auf der Erde gegeben hat, der die schwierigsten Fragen hinsichtlich des Lebens und der Lehre vollmächtig und unfehlbar beantworten kann. Während die Details päpstlicher Unfehlbarkeit sehr komplex sind und debattiert werden, greift sie doch in jeglicher Form die Autorität der Bibel an. James White erklärt dazu: »Die päpstliche Unfehlbarkeit ist wirklich der Schlussstein der Ablehnung vom sola Scriptura. Uns wird gesagt, das wir in der Person des Papstes einen unfehlbaren Führer finden können, der für die Kirche sprechen kann ohne in Angelegenheiten des Glaubens und der Moral hinterfragt zu werden. Es ist unmöglich die simple Tatsache nicht herauszustellen, dass wir in dieser Lehre den ersten Schritt eines Prozesses finden, der mit der ersten, menschlichen Tradition begann, die der Bibel hinzugefügt wurde: ein Prozess, der den Heiligen Geist mit von Menschen gemachten Strukturen ersetzt.« Der Anspruch auf Unfehlbarkeit kann einfach nicht in Einklang gebracht werden mit dem Anspruch auf Demut.

Der demütige Papst muss seine eigene Fehlbarkeit bekennen und darüber hinaus die Kirche auffordern, jedes Wort, das er ausspricht und seine Vorgänger bereits ausgesprochen haben, im Lichte von Gottes Wort zu prüfen.

Der Erhalter der Lehre

Papst Franziskus ist nun das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche und damit der oberste Erhalter ihrer Lehre. Diese Lehre widerspricht jedoch der Botschaft des Evangeliums, in der wir allein aus Gnade durch Glauben allein an Jesus Christus allein das Heil haben. Die unbiblische, römisch-katholische Lehre, die letztlich die protestantische Reformation hervorrief, wurde von Rom bekräftigt und immer wieder bestätigt. Obwohl oft etwas anderes behauptet wird, ist die Reformation nicht vorbei. Die katholische Lehre der Rechtfertigung ist immer noch eine des Glaubens mit Werken. Kanon 9 des Konzils von Trient wurde niemals widerrufen und verbleibt der Standpunkt der Kirche: »Wenn jemand sagt, der Sündhafte werde allein durch den Glauben gerechtfertigt; so dass er damit versteht, es sei nichts anderes, das zur Erlangung der Rechtfertigungsgnade mitwirkt, erforderlich, und es sei keineswegs notwendig, dass er sich aus Antrieb seines Willens dazu vorbereite, und bereit mache, der ist anathema.« Das ist nur einer von zahlreichen anathemas, die behaupten, dass diejenigen, die Rechtfertigung aus Glaube allein bekräftigen unter Gottes Fluch stehen und seinem Zorn ausgesetzt sind. Papst Franziskus ist nun der vorrangige Verkünder und Erhalter dieser anathemas. Der demütige Papst muss die anathemas der Kirche gegen die Lehre der Rechtfertigung aus Glaube allein widerrufen und stattdessen bekräftigen, was die Bibel so klar als Wahrheit lehrt.

Der demütige Papst?

Wir bewundern diejenigen, die Gutes tun, die Armut anstatt Reichtum wählen und die Gefangene (statt Priester) bevorzugen. Dennoch bin ich beunruhigt, dass wir Evangelikale diesen Mann als ein Vorbild echter Demut hochhalten. Ich habe nur drei der Behauptungen des Papsttums erwähnt, die jeden Anspruch auf echte Demut zunichte machen. Wir könnten ebenso auf den Titel ›Eure Heiligkeit‹ oder ›Heiliger Vater‹ verweisen. Wir könnten darauf hinweisen, das er Menschen erlaubt seinen Ring zu küssen. Würdest du deinen Pastor als demütig bezeichnen, wenn er solche Titel und Rituale einfordert oder erlaubt? Aber letztendlich sind all diese Ansprüche nur ein »Schatten« des größten und gotteslästerlichsten Anspruchs von Papst Franziskus und der Kirche, die er repräsentiert: dass er der Stellvertreter Christi sei. Angesichts dieses Anspruchs ist die Bezeichnung ›demütiger Papst‹ ein Oxymoron (Widerspruch in sich).


Tim Challies ist ein kanadischer Blogger, Autor und Buchrezensent. Sein Blog challies.com ist einer der einflussreichsten und meistgelesenen Blogs im reformatorischen Bereich.

Dieser Artikel ist eine Übersetzung (Andreas Kuhlmann)  des englischen Blogposts »The Humble Pope« vom 17. April 2013. Erstmalig erschienen auf challies.com. Titelbild von commons.wikimedia.org.