Auf der diesjährigen Ligonier National Conference wurde nach drei Jahren Arbeit die Ligonier-Erklärung zur Christologie herausgegeben. Diese ambitionierte Schrift möchte nicht weniger als an die alten Glaubenserklärungen und Bekenntnisse der Kirchenväter und Reformatoren anschließen. Dabei will diese Erklärung ein Bekenntnis zur Lehre über Christus (Christologie) für jetzige und kommende Generationen sein. Sie schließt nahtlos an das Apostolische Glaubensbekenntnis, das Nizänische Glaubensbekenntnis und das Bekenntnis von Westminster an. Biblische Bekenntnisse und Erklärungen der neuzeitlichen Kirchengeschichte haben leider nicht mehr den großen Einfluss der Vorbilder erreichen können. Als wohl größte Erklärung der letzten 100 Jahre kann die »Chicago-Erklärung zur Irrtumslosigkeit der Bibel« angesehen werden. Diese Erklärung wird bis heute zitiert und hat erheblichen Einfluss darauf, wie wir die Bibel als bibelgläubige Christen sehen.

Auch die Ligonier-Erklärung bedient sich der klassischen Strukturen und Aufbaus von Erklärungen die einen weitreichenden Einfluss ausüben wollen. Ligonier hat sich dabei nicht weniger als das echte Zentrum des biblischen Glaubens vorgenommen »Die Lehre von Christus«. R. C. Sproul schreibt im Vorwort der Erklärung: »Es ist also unerlässlich, dass wir gut verstehen, was die Schrift über die Person und das Werk Christi sagt. Wenn wir das richtig verstehen, dann wird auch unsere ganze restliche Theologie von alleine den richtig Platz einnehmen. Diese Erklärung soll helfen zu erkennen, wer Christus ist und was er getan hat, damit wir die Herrlichkeit des Evangeliums verstehen und erkennen wer wir in ihm sind.«

Möge diese Schrift dabei helfen zu erkennen, an wen wir wirklich glauben. Die vollständige Erklärung und viele weitere Infos können hier online eingesehen werden. Die Erklärung kann auch in deutscher Sprache nachgelesen werden. Hier an dieser Stelle veröffentlichen wir die vollständige Erklärung (ohne Vorwort, Fußnoten & Quellen):


Das Wort wurde Fleisch

 

Wir bekennen das Geheimnis und das Wunder,

dass Gott Fleisch wurde

und freuen uns über unser großes Heil

durch Jesus Christus, unseren Herrn.

 

Mit dem Vater und dem Heiligen Geist

schuf der Sohn alle Dinge,

erhält er alle Dinge,

und macht alle Dinge neu.

Er ist wahrer Gott

und wurde ein wahrer Mensch,

zwei Naturen in einer Person.

 

Er wurde von der Jungfrau Maria geboren

und lebte unter uns.

Gekreuzigt, gestorben und begraben,

stand er am dritten Tag vom Tod auf,

fuhr in den Himmel auf

und wird wiederkommen

in Herrlichkeit und zum Gericht.

 

Für uns

hielt er das Gesetz,

sühnte für die Sünde

und besänftigte Gottes Zorn.

Er nahm unsere schmutzigen Kleider

und gab uns

das Gewand seiner Gerechtigkeit.

 

Er ist unser Prophet, Priester und König,

er baut seine Gemeinde,

er tritt für uns ein

und herrscht über alle Dinge.

 

Jesus Christus ist Herr;

wir preisen seinen heiligen Namen für immer.

 

Amen.

Was wir bekennen und verwerfen

 

Artikel 1

Wir bekennen, dass Jesus Christus die Inkarnation des ewigen Wortes Gottes, oder des Logos, in der Geschichte ist. Er ist die zweite Person der heiligen Dreieinigkeit.

Wir verwerfen, dass Jesus nur ein Mensch oder eine Erfindung der frühen christlichen Kirche war.

 

Artikel 2

Wir bekennen, dass die göttliche Natur Jesu wesenseins (homoousios) und deshalb gleichrangig und genauso ewig wie der Vater und der Heilige Geist ist.

Wir verwerfen, dass Jesus nur „ähnlich wie Gott“ ist (homoiousious) oder dass er von dem Vater nur als sein Sohn „adoptiert“ wurde.

 

Artikel 3

Wir bekennen, zusammen mit dem Bekenntnis von Nicäa und Chalcedon, dass Jesus Christus sowohl wahrer Gott als auch wahrer Mensch ist, zwei Naturen vereint in einer göttlichen Person.

Wir verwerfen, dass Jesus nur der Erscheinung nach ein Mensch war, und wir verwerfen, dass Jesus in irgendeiner Weise geringer als Gott ist.

 

Artikel 4

Wir bekennen mit dem Bekenntnis von Chalcedon, dass die beiden Naturen Christi in seiner einen göttlichen Person unvermischt, ungewandelt, ungetrennt und ungeschieden vereint sind, beide Naturen behalten ihre eigenen Eigenschaften.

Wir verwerfen, dass eine Unterscheidung der beiden Naturen bedeutet, sie zu trennen.

 

Artikel 5

Wir bekennen die hypostatische Union, dass bei der Inkarnation sowohl die göttliche als auch die menschliche Natur ihre jeweiligen Eigenschaften behalten und völlig intakt bleiben.

Wir verwerfen, dass die menschliche Natur von Jesus göttliche Eigenschaften hatte; wir verwerfen, dass die göttliche Natur der menschlichen Natur göttliche Eigenschaften vermittelte; und wir lehnen ab, dass Jesus eine seiner göttlichen Eigenschaften ablegte oder aufgab, als er sich in der Inkarnation „entäußerte“.

 

Artikel 6

Wir bekennen, dass Jesus das vollkommene und höchste Bild Gottes ist und dass es auf echte Weise menschlich ist, wenn man diesem Bild gleichgestaltet wird.[6]

Wir verwerfen, dass die menschliche Natur Jesu eine reine Erscheinung war oder dass sie nur Fleisch und Knochen zu sein „schien“ (Doketismus).

 

Artikel 7

Wir bekennen, dass Christus ganz Mensch war und alle natürlichen Begrenzungen und gewöhnlichen Schwächen der menschlichen Natur besaß und dass er außer in der Sünde in jeder Hinsicht uns gleich war.

Wir verwerfen, dass Jesus sündigte, und wir lehnen jede Ansicht ab, die glaubt, dass Jesus nicht wirklich Leiden, Versuchung und Nöten erduldete. Wir verwerfen auch die Ansicht, dass die Sünde Teil wahren Menschseins ist oder die Sündlosigkeit Jesu damit unvereinbar ist, dass er wahrer Mensch ist.

 

Artikel 8

Wir bekennen, dass der historische Jesus in seiner Menschheit durch die Kraft des Heiligen Geistes sowohl übernatürlich vom Wesen her empfangen wurde als auch von der Jungfrau Maria geboren wurde.

Wir verwerfen, dass Jesus seine göttliche Natur von Maria bekam oder dass seine Sündlosigkeit auf irgendeine Weise von ihr stammte.

 

Artikel 9

Wir bekennen, dass Jesus der zweite oder neue Adam ist, der in jeder Weise seine Aufgabe erfüllte, wo der erste Adam versagte.

Wir verwerfen, dass Jesus von Adam die Auswirkungen oder Folgen von Adams Fall erbte oder dass er in seiner Menschlichkeit die Verdorbenheit der Erbsünde hatte.

 

Artikel 10

Wir bekennen, dass Jesus die Forderungen des Gesetzes vollkommen sowohl durch seinen aktiven als auch durch seinen passiven Gehorsam erfüllte und durch sein sündloses Leben und seinen Tod am Kreuz die Strafe für unsere Sünden trug.

Wir verwerfen, dass Jesus es an irgendeiner Stelle versäumt hat, dem Gesetz Gottes zu gehorchen oder Gottes Gesetz verworfen hat.

 

Artikel 11

Wir bekennen, dass Jesus der einzige Mittler zwischen Gott und dem Menschen ist.

Wir verwerfen, dass Gott irgendwelche anderen Inkarnationen hatte oder haben wird oder es andere menschliche Mittler des Heils außer den Herrn Jesus Christus gibt oder geben wird. Wir verwerfen außerdem jedes Mittel des Heils neben Christus alleine.

 

Artikel 12

Wir bekennen, dass Jesus am Kreuz stellvertretende Sühne für die Sünde bewirkt und Gottes Zorn und Gerechtigkeit zufriedengestellt hat.

Wir verwerfen, dass der Tod Christi nur ein Vorbild oder bloß ein Sieg über Satan oder die Zahlung eines Lösegeldes an ihn war.

 

Artikel 13

Wir bekennen, dass unsere Sünde Christus zugerechnet und uns im Glauben seine Gerechtigkeit angerechnet wird, weil Christus ein Leben im Gehorsam führte und in den Tod ging.

Wir verwerfen, dass unsere Sünde nur übersehen oder übergangen wird, und wir verwerfen auch, dass uns Christi Gerechtigkeit nicht angerechnet wird.

 

Artikel 14

Wir bekennen die Lehre von der Rechtfertigung allein aus Glauben, dass ein Sünder allein durch den Glauben an die Person und das Werk Christi alleine vor Gott als gerecht erklärt wird ohne irgendeinen persönlichen Verdienst oder eigene Werke. Wir bekennen weiter, dass es eine Ablehnung des Evangeliums ist, wenn man die Lehre von der Rechtfertigung allein aus Glauben ablehnt.

Wir verwerfen, dass wir auf der Grundlage irgendeiner uns eingegossenen Gnade gerechtfertigt werden, und wir verwerfen, dass wir nur gerechtfertigt werden, wenn wir in uns selbst eine innewohnende Gerechtigkeit erlangt haben oder dass wir aufgrund unsere Treue irgendeine zukünftige Rechtfertigung erlangen.

 

Artikel 15

Wir bekennen, dass Jesus am dritten Tag von den Toten auferstanden ist und dass er von Vielen leibhaftig gesehen wurde.

Wir verwerfen, dass er nur scheinbar gestorben ist oder dass nur sein Geist überlebt hat oder dass seine Auferstehung nur in den Herzen seiner Nachfolger stattfand.

 

Artikel 16

Wir bekennen, dass Jesus der Erstling der Auferstehung ist, dass er die Sünde und auch den Tod besiegt hat und dass auch wir zu einem neuen Leben auferstehen werden.

Wir verwerfen, dass der Herrlichkeitsleib Jesu ein vollkommen neuer und anderer Leib als der war, der in das Gartengrab gelegt wurde, und wir lehnen weiter ab, dass unsere Auferstehung nur eine geistliche oder symbolische Realität ist.

 

Artikel 17

Wir bekennen, dass Jesus zu seinem Thron im Himmel zur Rechten Gottes des Vaters auffuhr, dass er jetzt als König herrscht und dass er sichtbar in Macht und Herrlichkeit wiederkommen wird.

Wir verwerfen, dass Jesus sich in Bezug auf seine Wiederkunft irrte oder seine Herrschaft auf eine Zeit in der Zukunft verschoben worden ist.

 

Artikel 18

Wir bekennen, dass Jesus an Pfingsten seinen Geist ausgoss und er in dieser gegenwärtigen Zeit seine Gemeinde baut, deren Oberhaupt und alleiniger König er ist.[18]

Wir verwerfen, dass Jesus in dem Bischof von Rom einen Stellvertreter einsetzte oder dass irgendjemand außer Jesus Christus das Haupt oder der König der Gemeinde sein kann.

 

Artikel 19

Wir bekennen die Mittlerrolle von Jesus als Prophet, Priester und König (munus triplex).

Wir verwerfen, dass das Werk Christi nur auf das Amt des Propheten, Priesters oder Königs reduziert werden kann.

 

Artikel 20

Wir bekennen, dass Jesus als Prophet Gottes Willen verkündigte, zukünftige Ereignisse prophezeite und selbst die Erfüllung von Gottes Verheißungen ist.

Wir verwerfen, dass Jesus jemals eine falsche Prophetie oder ein falsches Wort gesagt hat oder es versäumt hat oder versäumen wird, alle Prophetien über ihn selbst zu erfüllen.

 

Artikel 21

Wir bekennen, dass Jesus unser großer Hohepriester nach der Weise Melchisedeks ist, der für uns ein vollkommenes Opfer dargebracht hat und der vor dem Vater für uns eintritt.

Wir verwerfen, dass Jesus, der aus dem Stamm Juda und nicht vom Stamm Levi ist, nicht geeignet ist, als unser Priester zu dienen. Wir verwerfen die Lehre, dass Christus sich selbst in der Messe als Opfer und auch Priester fortwährend zum Opfer darbringt. Wir verwerfen weiter, dass Christus erst im Himmel Priester wurde und auf der Erde kein Priester war.

 

Artikel 22

Wir bekennen, dass Jesus als König jetzt und für immer ganz und gar über alle irdischen und übernatürlichen Mächte herrscht.[22]

Wir verwerfen, dass das Reich Jesu ein politisches Reich in dieser Welt war und wir verwerfen auch, dass ihm alle irdischen Herrscher keine letztendliche Rechenschaft schuldig sind.

 

Artikel 23

Wir bekennen, dass Jesus Christus in Herrlichkeit wiederkommen wird, um alle Menschen zu richten, und schließlich all seine Feinde besiegen, den Tod vernichten und einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen wird, in denen Gerechtigkeit herrschen werden.

Wir verwerfen, dass seine endgültige Wiederkunft 70 n.Chr. war und dass sein Kommen und die begleitenden Ereignisse rein symbolisch verstanden werden müssen.

 

Artikel 24

Wir bekennen, dass die, die an den Namen Jesu glauben, in sein ewiges Reich aufgenommen werden, diejenigen aber, die nicht an Jesus glauben, eine ewige erfahrbare Strafe in der Hölle erleiden werden.

Wir verwerfen, dass am Ende alle gerettet werden (Universalismus). Wir lehnen weiter ab, dass diejenigen, die ohne Glauben an Christus sterben, vollständig vernichtet werden (Annihilationismus).

 

Artikel 25

Wir bekennen, dass Jesus, wenn er alle seine Feinde besiegt hat, das Reich seinem Vater übergeben wird; dass Gott in dem neuen Himmel und der neuen Erde alles in allem sein wird; und dass die Gläubigen Christus von Angesicht sehen, in sein Ebenbild umgewandelt werden und sich für immer an ihm freuen werden.

Wir verwerfen, dass dieser zukünftige Stand nur geistlich oder nur symbolisch ist oder dass es für die Menschheit irgendeine andere Hoffnung oder irgendeinen anderen Namen oder Weg gibt, auf dem das Heil gefunden werden kann, außer alleine in Jesus Christus.


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