Wenn Theologen heute von der Auferstehung Jesu reden, dann hat der Begriff »Auferstehung« für sie lediglich symbolische Bedeutung. Ob Jesus »für uns« lebendig ist, soll sich dann daran entscheiden, ob uns seine Lehre überzeugt und wir ihr folgen. Wenn die Bibel von Auferstehung redet, dann meint sie vor allem eins: ein historisches Ereignis, ein leeres Grab, einen lebendigen Erlöser!

Der historische Anspruch der Auferstehungsberichte

Im Unterschied zu anderen religiösen Texten berichten die Texte der Bibel von Ereignissen, die in Raum und Zeit stattgefunden haben. Sie erheben damit den Anspruch, historische Tatsachen zu berichten und machen sich, wo immer sie konkrete Daten und Fakten nennen, überprüfbar . Auch die Auferstehungsberichte unterscheiden sich in erheblichem Maße von den Mythen und Sagen der damaligen Zeit. Sie verzichten auf jedes spektakuläre Element und berichten nur das, was die Augenzeugen auch tatsächlich gesehen haben. Norman Anderson schreibt: »Welcher Legendenstifter würde ausgerechnet Maria Magdalena, eine Frau ohne jedes Ansehen in der christlichen Kirche, das erste Gespräch mit dem auferstandenen Christus führen lassen? Hätte er diese Ehre nicht vielmehr Petrus, dem leitenden Apostel, oder Johannes, dem Jünger, den Jesus lieb hatte, oder – noch wahrscheinlicher – Maria, der Mutter Jesu, zuteilwerden lassen? Und wer kann die Geschichte von der Erscheinung vor Maria Magdalena, den Zwischenfall, bei dem der auferstandene Christus zwei Jüngern erschien, die am Ostersonntagnachmittag nach Emmaus gingen, oder auch die Episode, laut der Petrus und Johannes gleichsam um die Wette zum Grab liefen, lesen und zu dem Schluss kommen, dass dies Legenden sind? Sie sind viel zu würdevoll und zurückhaltend; viel zu lebensecht und psychologisch stimmig.« Insbesondere fällt auf, dass keiner der Jünger und Chronisten behauptet, den Vorgang der Auferstehung selbst beobachtet zu haben – obwohl doch nichts näher gelegen hätte, als gerade dieses zentrale Ereignis ausführlich zu beschreiben. Hinzu kommt, dass das Versagen und der Unglaube der Jünger in großer Ehrlichkeit geschildert werden. Weder die Frauen noch die Jünger rechnen mit der Auferstehung Jesu, obwohl Jesus selbst sie oft genug angekündigt hat. Maria Magdalena vermutet statt dessen, dass jemand den Leichnam Jesu weggenommen habe, als sie das geöffnete Grab erblickt (Johannes 20,2). Als die Frauen den Jüngern von ihrer Begegnung mit dem auferstandenen Jesus berichten, notiert Lukas (Lukas 24,11) zur Reaktion der Jünger: »Und es erschienen ihnen diese Worte, als wär’s Geschwätz, und sie glaubten ihnen nicht.« Selbst nach dem Bericht der Emmaus-Jünger heißt es: »Aber auch denen glaubten sie nicht« (Markus 16,13).

Die Zeugen

Alle Auferstehungsberichte gehen letztlich auf die Jünger Jesu zurück, die Jesu Lehren und Wirken drei Jahre lang miterlebt hatten und teilweise in außerordentlichem Umfang selbst daran beteiligt worden waren. Den biblischen Berichten zufolge hatten sie aber weder die göttliche Autorität hinter Jesu Leben noch die eigentliche Zielsetzung seines Wirkens und seiner Lehre wirklich erfasst. Die Begrenztheit ihrer Vollmacht und ihres Verständnisses ist schon zu Jesu Lebzeiten offensichtlich. Mit Jesu Verhaftung schwanden dann Vollmacht und Hoffnung, und nach seiner Kreuzigung hatten die Jünger den letzten Rest von Kraft und Mut verloren – und versteckten sich angstvoll in ihren Löchern. Wie kommt es dann, dass die Jünger kurz darauf in Jerusalem, Samaria und bis an die Enden der Erde von der Auferstehung Jesu berichtet und damit innerhalb weniger Tage nach dem Tod ihres Herrn die wichtigste geistliche Bewegung ins Rollen gebracht haben, die die Welt jemals gesehen hat? Die Jünger waren keineswegs naive, leichtgläubige Zeitgenossen, sie hatten vielmehr dieselben Zweifel, die auch bei heutigen Hörern ihrer Botschaft entstehen. Zwei Fakten waren es, die aus den niedergeschlagenen und skeptischen Jüngern überzeugte Botschafter des Evangeliums machten – zwei Fakten, die auch heute noch aus Zweiflern Gläubige machen.

Fakt Nr. 1: Das leere Grab

Alle Evangelien berichten, dass die Jünger wenige Tage nach der Kreuzigung Jesu die Botschaft verbreiteten, er sei von den Toten auferstanden. Lukas berichtet in der Apostelgeschichte, dass der rote Faden in der Verkündigung der Jünger die stereotyp wiederholte Behauptung war: »Diesen Jesus, den ihr habt kreuzigen lassen, den hat Gott aus den Toten auferweckt.« Hier ist noch anzumerken, dass die Behauptung einer lediglich geistig zu verstehenden »Auferstehung« sowohl die religiösen Führer als auch das Volk völlig kalt gelassen hätte. Als Juden hatten sie den Begriff »Auferstehung« aber genau so verstanden, wie er gemeint war – als körperliche Auferstehung aus dem Grab. Nur das konnte sie so provozieren, dass sie binnen Kurzem zu Mördern an den Überbringern dieser Botschaft wurden, weil sie deren Verbreitung anders nicht mehr zu bekämpfen wussten. Hätte der Leichnam Jesu noch im Grab gelegen, hätten es die römischen oder zumindest die jüdischen Autoritäten nicht versäumt, den Jüngern selbst und ihren Zuhörern den toten Körper des Gekreuzigten zu präsentieren. Hierzu ist es unzweifelhaft nicht gekommen. Auch die Feinde Jesu haben vielmehr sofort realisiert, dass sein Leichnam nicht mehr auffindbar war (vgl. Matthäus 28,11ff.) Selbst die kritischsten Theologen müssen deshalb zugeben, dass das Grab Jesu tatsächlich leer gewesen ist. Weil sie den Bericht der Bibel ablehnen, nach dem Gott Jesus tatsächlich von den Toten auferweckt hat, müssen sie Erklärungen für das leere Grab erfinden.

Ein solcher Erklärungsversuch besteht in der These, dass der Leichnam Jesu gestohlen worden sei. Auch die jüdischen Priester und Ältesten haben diese Fabel gegen Bezahlung in die Welt setzen lassen – in dem vollen Bewusstsein, dass sie falsch ist (vgl. Matthäus 28,11ff.). Wenn man tatsächlich davon ausgehen sollte, dass der tote Körper Jesu aus dem Grab entfernt wurde, dann kommen als Täter entweder seine Jünger, seine Feinde oder professionelle Grabräuber in Betracht. Bezüglich der Jünger würde sich zunächst die Frage stellen, wie sie es geschafft haben sollen, an der speziell zur Verhinderung eines Diebstahls vor dem Grab platzierten römischen Wache vorbeizukommen. Selbst wenn man unterstellt, dass die Wachen sämtlich eingeschlafen wären (was gänzlich unwahrscheinlich ist, da römische Soldaten schwerste Strafen zu befürchten hatten, wenn sie während ihres Dienstes schliefen), bliebe noch zu bedenken, dass ein schwerer Stein zu entfernen war, was kaum unbemerkt möglich gewesen sein dürfte. Zudem muss man sich fragen, wie wahrscheinlich ein solches Handeln von Jüngern ist, die verängstigt geflohen waren und jede Hoffnung durch die Kreuzigung ihres Meisters verloren hatten. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Jünger für ihre Behauptung, Jesus sei auferstanden, misshandelt, vertrieben und getötet wurden, ohne dass auch nur einer von ihnen den Diebstahl des Leichnams zugegeben und die Botschaft seiner Auferstehung widerrufen hätte. Wie wahrscheinlich ist das, angesichts der Tatsache, dass selbst Petrus, der mutigste Jünger, schon bei vorsichtigen Nachfragen seinen Herrn verleugnet hat? Weshalb hätten die Jünger für die Verbreitung einer erfundenen Geschichte sterben sollen, von der sie selbst genau wussten, dass sie nicht den Tatsachen entspricht? Es ist offensichtlich, dass die These vom Diebstahl des Leichnams durch die Jünger nicht haltbar ist.
Nimmt man an, dass die Priester und Ältesten den Leichnam entwendet haben, stellt sich zum einen die Frage, warum sie dies hätten tun sollen. Selbst wenn sie dies aber aus unerfindlichen Gründen getan hätten, wäre kaum erklärlich, dass sie den toten Jesus nicht umgehend herbeigeschafft haben, nachdem die Jünger von dessen Auferstehung berichteten. Die Predigt der Jünger wäre durch die Präsentation des Leichnams Jesu im Keim erstickt worden. Grabräuber schließlich hätten sich weder mit der römischen Wache angelegt, noch das geringste Interesse an einem unbekleideten Leichnam gezeigt, der für sie ohne jeden Wert sein musste.

Nach einer anderen, noch abwegigeren Theorie, soll Jesus am Kreuz nicht gestorben sein, sondern nur das Bewusstsein verloren haben. Er soll dann lebendig begraben und durch das kühle Grab wieder belebt worden sein. Jesus wurde also blutig geschlagen, bis er so schwach war, dass er sein eigenes Kreuz nicht mehr tragen konnte. Seine Hände und Füße wurden mit Nägeln durchbohrt. Die Römer stießen einen Speer in seine Seite, bis Blut und Wasser herausflossen – ein Zeichen des Todes. Sein Tod wurde von den römischen Henkern festgestellt. Er wurde vom Kreuz abgenommen, in 100 Pfund Spezereien eingewickelt und in ein kaltes Grab gelegt. Und dann – befreite sich der blutende und zerschundene Jesus irgendwie aus seinen Tüchern, wälzte den Stein beiseite, besiegte die Wache und überzeugte seine Jünger, er sei der Fürst des Lebens? Zu Recht hat Le Camus zu dieser These bemerkt: »Das wäre noch ein größeres Wunder als die Auferstehung selbst.« Auch medizinische Experten der Neuzeit kommen zu dem Ergebnis: »Erklärungsversuche, die annehmen, dass Jesus nicht am Kreuz gestorben sei, sind mit dem modernen medizinischen Wissenstand nicht zu vereinbaren.«

Fakt Nr. 2: Die Erscheinungen des Auferstandenen

Einen noch deutlicheren Beweis als das leere Grab erbringen die zahlreichen Zeugen, denen der auferstandene Jesus erschienen ist. Das sind zunächst Maria und Maria Magdalena (Matthäus 28,1ff. und Johannes 20,11ff.), die Emmaus-Jünger (Lukas 24,13-35), Petrus (Lukas 24,34) und schließlich alle verbliebenen Jünger (Lukas 24,34 ohne Thomas und Johannes 20,26-29 mit Thomas). Mit etwas zeitlichem Abstand folgen noch die dritte Begegnung mit einigen Jüngern am See Tiberias (Johannes 21,1-22) sowie die Begegnung mit allen verbliebenen Jüngern in Galiläa (Matthäus 28,16-20) und in Betanien (Lukas 24,44-52). Neben diesen Erscheinungen, von denen uns die Evangelisten berichten, gab es noch weitere, von denen wir etwa durch Paulus erfahren, wenn er uns in 1. Korinther 15,5ff. weitergibt, dass Jesus »gesehen worden ist von Petrus, danach von den Zwölfen. Danach ist er gesehen worden von mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die meisten noch heute leben, einige aber sind gestorben. Danach ist er gesehen worden von Jakobus, danach von allen Aposteln. Zuletzt von allen ist er auch von mir als einer unzeitigen Geburt gesehen worden.« Während das leere Grab lediglich beweist, dass etwas mit Jesu Körper geschehen ist, zeigen diese Berichte, was genau geschah: Jesus ist von den Toten auferstanden!

Gegen diese Berichte wird zum Teil eingewandt, es habe sich um Halluzinationen gehandelt, die Jünger hätten also lediglich fälschlicherweise geglaubt, ihnen sei Jesus begegnet. Diese Theorie ist jedoch hochgradig unwahrscheinlich. Von Halluzinationen sind in der Regel nur paranoide oder schizophrene Personen betroffen, während das Neue Testament zahlreiche Begegnungen Jesu mit den unterschiedlichsten Menschen beschreibt. Zudem sind Halluzinationen mit dem Unterbewusstsein der Betroffenen verbunden, so dass nahezu auszuschließen ist, dass mehrere Personen dieselben Halluzinationen zur gleichen Zeit haben. Hinzu kommt, dass Jesus mit seinen Jüngern nicht nur aß, sondern sich auch berühren ließ. All diese Fakten widerlegen die Halluzinationstheorie eindrucksvoll. Den meisten liberalen Theologen bleibt damit nichts anderes übrig, als sämtliche Auferstehungsberichte zu Legenden zu erklären. Abgesehen davon, dass dies dem erklärten historischen Charakter der Texte widerspricht und die Jünger zu dreisten Lügnern macht, ergeben sich auch weitere Schwierigkeiten. Es muss nämlich erklärt werden, wie es zu der Umwandlung von verängstigten Jüngern zu machtvollen Verkündigern der Auferstehung kam. Hier wird dann behauptet, die Jünger hätten subjektive Erfahrungen gemacht, aufgrund derer die spätere Gemeinde die Auferstehungsberichte verkündigt hätte. Auch hierbei gibt es jedoch mehrere Probleme. Wie Paulus nämlich in der oben zitierten Passage seines Korintherbriefs angibt, handelt es sich bei dem Auferstehungsbericht um ein sehr frühzeitiges Bekenntnis der christlichen Kirche – und nicht um eine nachträgliche erfundene Geschichte, die subjektive Erfahrungen der Gemeinde erklären soll. Zudem wäre darzulegen, welche subjektiven Erfahrungen der Jünger denn dazu geführt haben sollen, dass sie plötzlich den Gekreuzigten als lebendig ansahen – wenn nicht eben die Begegnung mit dem Auferstandenen selbst. Kein Wunder, dass selbst Bornkamm, einer der bekanntesten Schüler des liberalen Theologen Rudolf Bultmann, zugeben muss: »Das Wunder der Auferstehung kann nicht zufriedenstellend mit bloßen inneren Erfahrungen der Jünger erklärt werden.«

Und heute?

Neben den glaubhaften Berichten der Bibel gibt es auch heute unzählige Menschen, die von ihrer Begegnung mit dem auferstandenen Jesus erzählen können. Mit Petrus können diese Menschen sagen: »Wir sind nicht ausgedachten Fabeln gefolgt, als wir euch die Kraft und das Kommen unseres Herrn Jesus Christus verkündigt haben – sondern wir haben seine Herrlichkeit selber gesehen.« Wie glaubwürdig diese Zeugen sind, muss jeder Hörer selbst entscheiden. Wer aber trotz zahlreicher Indizien und Zeugen eine Auferstehung Jesu von vornherein ausschließen will, der sollte sich der Frage stellen, die Paulus vor dem König Agrippa aufwirft (Apostelgeschichte 26,8): »Warum wird das bei Euch für unglaublich gehalten, dass Gott Tote auferweckt?«


Daniel Facius. Titeldbild von Tom Skarbek-Wazynski.

Dieser Artikel ist erstmals in der Printausgabe »#17 Die Auferstehung« (04/2014) erschienen. Das Heft – mit vielen weiteren Artikeln zum Thema – ist nach wie vor erhältlich. Dort sind auch alle Quellen zu diesem Artikel einsehbar.

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